„Worte sind genug gewechselt“

Verträge, Bummelstreik: Inhaber fordert harte Maßnahmen

, Uhr
Berlin -

Mit einem Schreiben wendet sich Thorsten Junk, Inhaber der Hessen-Apotheke in Fernwald, an seinen Verbandschef Holger Seyfarth: Er kritisiert die ausbleibende Honoraranpassung sowie die Erhöhung des Kassenabschlags und bezeichnet das politische Vorgehen als gezielte Zerstörung des Berufsstandes. Er fordert die Standesvertretung auf, den bisherigen „Kuschelkurs“ zu beenden.

In dem Schreiben an den Vorsitzenden des Hessischen Apothekerverbands (HAV) bringt Junk seinen Unmut klar zum Ausdruck: „Nachdem nunmehr Frau Warken die Katze aus dem Sack gelassen hat, kann ich die angekündigten Maßnahmen nur als einen Akt völligen Irrsinns bezeichnen.“ Das Wohlverhalten der Apotheken führe nicht zu vernünftigen Lösungen, sondern „zur gnadenlosen Vernichtung der Apotheken“, schreibt er weiter.

Erhöhung des Zwangsrabatts

„Anstatt einer dringend erforderlichen und lange zurückgestellten Honoraranpassung kommt nun die Erhöhung des Zwangsrabatts“, kritisiert Junk. „Ich glaube, ich brauche die weiteren Punkte nicht zu erläutern. Worte sind genug gewechselt.“ Aus der Politik sei nur „lauwarme Beschwichtigung ohne wirklichen Willen“ gekommen, stellt Junk klar.

Deswegen fordert er die Standesvertretung nun auf, „massive und auch die Bevölkerung deutlich treffende Maßnahmen einzuleiten“. Er stellt klar: „Es sollte keine Rücksichtnahme oder Zurückhaltung mehr geübt werden, denn alle politischen Vertreter in Berlin haben ihre Zusagen nicht gehalten, mit vielen Worten unseren Berufsstand nur hingehalten und uns belogen.“

Apotheken diskriminiert

Weiter heißt es: „In Wirklichkeit wird hier ein funktionierendes Versorgungssystem zerstört, ohne eine nur annähernd gleichwertige Versorgungsstruktur zu haben. Deutsche Apotheken werden diskriminiert zugunsten ausländischer Versender. Die Berliner Politik wertschätzt die Arbeit unseres Berufsstandes nicht.“

Junk fordert in dem Schreiben ein „Körbchenmodell zum Austritt aus den Lieferverträgen“ und einen „Bummelstreik bei Hochpreisern als dringliche und schmerzhafte Maßnahme“. Denn: „Nur massive und konsequente Maßnahmen, die auch Patienten treffen müssen, können die Bedeutung des Untergangs der Apotheken bewusst machen.“

Kuschelkurs beenden

Er fordert den HAV auf, „endlich die Hemmungen aufzugeben und vom Kuschelkurs abzurücken“. Es gehe der Politik nicht ums Sparen: „Alleine die Gewinne aus der Mehrwertsteuer für Arzneimittel sprudeln. 19 Prozent der Arzneimittelkosten fließen in die Kassen des Staates. 20 Prozent der Kosten in Form von Herstellerabschlag, Zuzahlung der Patienten und Kassenabschlag fließen in die Kassen der Krankenkassen“, stellt Junk klar.

Dabei seien die Erlöse aus Rabattverträgen noch nicht berücksichtigt, schreibt er weiter. „Da es hier keine Transparenz gibt, kann man davon ausgehen, dass Kassen und Staat die Kostentreiber der Arzneimittelkosten selbst sind. Es ist faktischer Betrug am Apotheker.“ Er fragt, was „eigentlich mit unserer Standesvertretung“ los sei. „Hat da niemand mal den Mumm energisch zu reagieren? Schlimmer geht nimmer“, so Junk.

Was aktuell laufe, sei unerträglich. „Bitte werden Sie wach oder lassen Sie andere verhandeln“, fordert er in seinem Schreiben. „Für ein sanftes Säuseln haben wir unsere Berufsvertretung weder gewählt noch bin ich bereit, dafür einen Cent auszugeben“, so Junk.

Guter Journalismus ist unbezahlbar.
Jetzt bei APOTHEKE ADHOC plus anmelden, für 0 Euro.
Melden Sie sich kostenfrei an und
lesen Sie weiter.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz
Spargesetz: Wer wie stark betroffen ist
„Ausgewogenes Gesamtpaket“
Warkens Sparpaket im Überblick
Mehr aus Ressort
„Gut gemeint, aber nicht tragfähig“
Bürgergeld: CSU fordert Kostenübernahme durch Bund
Streichung der Mitversicherung von Ehepartnern
Warken: „Das ist gelebte Frauenpolitik“
Hänel wirft Warken Wortbruch vor
„Auf Terminator folgt Eiskönigin“