Nach der Intervention des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) stoppen die Ersatz- und Betriebskrankenkassen ihre geplanten Ausschreibungen für Biosimilars – allerdings nicht ohne Kritik.
Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sollen Rabattverträge für Biosimilars für zwei Jahre aufgeschoben werden. Trotz massiver Kritik aus dem Kassenlager will das BMG die neue Regelung durchsetzen. Abteilungsleiter Thomas Müller hatte dazu ein Schreiben an die Kassen geschickt und sie aufgefordert, ihre laufenden Ausschreibungen zu stoppen.
Damit würden Milliardeneinsparungen für die GKV verhindert, kritisieren die Techniker Krankenkasse (TK) und die Kassengemeinschaft GWQ. Erneut werde die Pharmaindustrie zulasten der Versicherten begünstigt. Anstatt zu sparen und somit die Versicherten zu entlasten, fördere die Bundesregierung Mehrkosten.
Von der Aufforderung des BMG, laufende Ausschreibungs- und Vergabeverfahren unverzüglich zu stoppen, sind vor allem die Ersatzkassen um die TK sowie die Betriebskrankenkassen um GWQ betroffen, die erstmals gemeinsam ausgeschrieben hatten. Als jeweilige Federführer für insgesamt 40 Krankenkassen habe man das Ziel verfolgt, die Kosten für die Solidargemeinschaft für biologische Fertigarzneimittel spürbar zu senken und zugleich die Versorgung planbarer und belastbarer aufzustellen.
„Mit großem Bedauern kommen die TK und die GWQ der Aufforderung des Gesetzgebers nach und beenden die Ausschreibung für die geplanten Biosimilar-Rabattverträge für 2027 und 2028“, so eine gemeinsame Stellungnahme.
Man werde die geplante Evaluierung der Regelung aufmerksam begleiten und sich weiterhin für kostendämpfende Maßnahmen im Bereich der Biologika einsetzen, um langfristig die Arzneimittelausgaben im Sinne der Versicherten möglichst effizient zu gestalten.
Sieben Wirkstoffe hatte GWQ ausgeschrieben, weitere acht liefen unter Federführung der TK. Dabei hätten sich die Fachlose später auf TKK/hkk/HEK, rund 35 Betriebskrankenkassen sowie DAK/KKH verteilen sollen: Selbst bei Exklusivvergabe hätten theoretisch bis zu drei verschiedene Anbieter zum Zug kommen können.
Je nach Darreichungsform waren einige Wirkstoffe auch mehrfach ausgeschrieben. Für umsatzstarke Moleküle mit vielen Wettbewerbern gab es dabei also sogar mehrere Zuschläge pro Kassengruppe, bei Adalimumab, Ranibizumab, Aflibercept und Denosumab jeweils sechs, bei Ustekinumab sogar 8.
Die Verträge hätten am 1. Januar 2027 starten sollen und eine Laufzeit von zwei Jahren gehabt, zuzüglich zwei Verlängerungen um jeweils sechs Monate.
Die von der TK ausgeschriebenen Wirkstoffe sind mit * gekennzeichnet, die durch GWQ begleiteten Verträge mit °.
Die mobil Krankenkasse wäre nur bei Etanercept und Filgrastim dabei gewesen, die Verträge für die Viactiv BKK hätten bei Omalizumab, Ranibizumab und Tocilizumab abweichend am 1. November 2027 und bei Golimumab am 1. Januar 2028 begonnen.