Das Angebot der assistierten Telemedizin in Apotheken wird aktuell immer größer, auch aus der Politik gibt es Zustimmung, wie zuletzt beim Besuch von Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi in einer Apotheke mit eben jenem Angebot. Doch der Chef des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands (HÄV) warnt. Echte Primärversorgung könne in Apotheken nicht geboten werden.
„Wenn anonyme Patienten von anonymen Anbietern krankgeschrieben würden, ist das Missbrauchspotenzial deutlich höher als in einer festen Arzt-Patienten-Beziehung“, sagte HÄV-Vorsitzender Dr. Markus Blumenthal-Beier gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Apotheken seien demnach zwar für die Beratung bei leichten Erkrankungen geeignet, aber nicht der richtige Ort für eine ärztliche Behandlung. Die medizinische Ausbildung für eine Gesamteinschätzung fehle hier. „Eine wirkliche Primärversorgung kann nur dort erfolgen, wo es eine feste und langjährige Bindung gibt.“
Videokabinen in Apotheken würden eine „völlig anonyme Situation“ schaffen, bei der niemand Verantwortung übernehme. „Das klingt einfach nach einem Business-Angebot“, so Blumenthal-Beier. „Wenn die Apotheke meint, das ist mit Hausmittelchen nicht zu lösen, sollte sie die Menschen zum Hausarzt schicken – und nicht als Geschäftsmodell in eine Kabine, wo wieder jemand daran herumdoktert, der die Menschen gar nicht kennt und im Zweifelsfall ein Interesse haben könnte, krankzuschreiben oder noch etwas zu verkaufen.“
Das Konzept könne sogar drastische Folgen für das Gesundheitssystem haben, so die Warnung. „Die Behandlungsfälle werden explodieren, wenn wir jetzt noch zusätzliche Angebote der Fernbehandlung schaffen“, so Blumenthal-Beier im Interview. Es erfolge eine „weitere Zersplitterung der Versorgung“. „Wenn ich mich an jeder Milchkanne krankschreiben lassen kann, wird das sicher nicht zu weniger Krankschreibungen führen.“
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