Ist assistierte Telemedizin (aTM) in Apotheken ein Zukunftsthema? Arndt Lauterbach von den SaniPlus-Apotheken im Münchner Raum ist davon überzeugt. In drei der insgesamt sechs Standorte des Familienverbunds stehen bereits Telemedizinkabinen für Kunden bereit. Doch noch ist das Thema nicht in der Breite der Bevölkerung angekommen.
Insgesamt sechs Apotheken betreiben Apothekerin Birgit Lauterbach und ihr Sohn Philipp Lauterbach im Münchner Raum. Ihr Mann verantwortet im Familienbetrieb den Einkauf, die Finanzen sowie die Technik. Zudem ist er Gründungsmitglied und Gesellschafter der Kooperation Elac Elysée sowie Gründer und Vorstand des Verbands innovativer Apotheken (VIA).
Er ist von dem Konzept der assistierten Telemedizin überzeugt. In drei der sechs Apotheken – in der SaniPlus-Apotheke im OEZ, die SaniPlus-Apotheke Riem und die SaniPlus Apotheke Föhring – wird sie bereits angeboten, auch in den restlichen soll der Service folgen. In den Apotheken sind drei Geräte von SympotoX im Einsatz.
„Wir haben noch ein großes Kommunikationsthema, weil die Bevölkerung so gut wie nichts davon weiß“, erklärt Lauterbach. Die Mitarbeiter in den Apotheken würden vermitteln, erklärt er.
Zwar sei die Box im Schaufenster von außen zu sehen, dennoch sei das Angebot in der Bevölkerung noch weitestgehend unbekannt. „Das gehört viel mehr in die Presse – das wäre das Beste“, so Lauterbach . Hier wären seiner Meinung nach die Politik, Presse und Verbände gefragt.
Wenn eine Patientin oder ein Patient das Angebot allerdings wahrnimmt, seien die Rückmeldungen durchweg positiv.
Es habe in der Apotheke auch schon einen Fall gegeben, bei dem die strukturierte Ersteinschätzung einen Notfall ergeben habe und die Patientin einen Notarzt brauchte. Der Notarzt habe den Blutdruck gemessen – und der Verdacht habe sich bestätigt, berichtet er.
Abgesehen von dem Notfallsignal sind die Videosprechstunden zwischen Arzt und Patient natürlich vertraulich. „Wir haben dafür die schalldichte Kabine“. E-Rezepte können anschließend sofort in der Apotheke beliefert werden.
„Ein Teil der Patienten hat keinen Hausarzt“, so Lauterbach. Das Angebot in der Apotheke sei ein ergänzendes Angebot zu der Versorgung, keine Konkurrenz.
Außerdem könne das Angebot auch bei der Steuerung im System helfen. „Die Lotsenfunktion, die im System aktuell häufig fehlt, die kann die Apotheke zum Teil übernehmen“, ist Lauterbach überzeugt.
„Das ist ein guter Einstieg – ohne dass wir selbst medizinische Leistungen übernehmen“, stellt er klar. Auch in anderen Ländern wie in der Schweiz würden solche Konzepte bereits gut funktionieren.
Zu Beginn sei die Technik erst einmal eine Investition. „Aber ganz ehrlich: Das ist ein Anfang, dass der Patient die Apotheke als Anlaufstelle versteht. Wir geben den Patienten Sicherheit, wir helfen ihnen weiter.“ Auch mit Blick auf zukünftige Herausforderungen sei das unerlässlich. „Wir sehen heute schon, dass sich die Situation auf dem Land zuspitzt, das wird in Zukunft schlimmer.“
Natürlich habe die assistierte Telemedizin in der Apotheke auch ihre Grenzen. „Das kann nicht alles und natürlich müssen Patienten bei komplizierten Fällen auch weiterhin persönlich einen Arzt aufsuchen“, sagt er. Dennoch könnten Arztpraxen hierdurch entlastet werden.
„Die Apotheke ist nur die Plattform, wir bieten den Patienten Sicherheit an, die er gerne annimmt“, erklärt er.
Künftig müsse auch weiterhin mit den Kassen verhandelt werden, um den Service profitabel anbieten zu können. „Sobald die Politik erkannt hat, dass sich das lohnt, wird auch die Bereitschaft, Geld auszugeben, steigen“, ist Lauterbach optimistisch.