In der Apotheke – „im Herzen Hannovers“ – hat sich der niedersächsische Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi die assistierte Telemedizin in der Ernst-August-Apotheke am Kröpcke angeschaut. Inhaber Dr. Arne Trettin nutzt das System des ebenfalls niedersächsischen Start-ups SymptoX. Gründer Andreas Noack führte dem Gesundheitsminister das System vor Ort vor.
„Ich halte es für eine exzellente Idee, an dieser Stelle die Menschen da abzuholen, wo sie sind“, so Philippi. „Viele Menschen wissen, wie wichtig Apotheken sind.“ Außerdem würden die Apotheken in der Bevölkerung großes Vertrauen genießen. Das Konzept von SymptoX sei großartig, lobte er.
Der Minister glaubt, dass das System zukunftsfähig ist. „Natürlich wird es sich ein bisschen eingrooven im Laufe der Zeit, und die ersten Kinderkrankheiten müssen wir einfach in Kauf nehmen“, so Philippi. „Immer, wenn etwas Neues kommt, hat das am Anfang ein bisschen Probleme gemacht.“ Er sieht vor allem da ein Problem, wo die Internetabdeckung nicht ordentlich sei.
„Ich bin sicher, wir finden eine gute Lösung, wie wir das in absehbarer Zeit dann weiter nach vorne bringen“, ist er überzeugt.
Auch im Primärversorgungssystem und in der Prävention sieht der Minister eine Rolle für die Apotheken. Allerdings müsse man auch schauen, wie man die Versorgungssicherheit in ländlichen Regionen sicherstellt, in denen die Apothekendichte nicht mehr so hoch sei.
Wie ein überdimensioniertes Tablet mit Standfuß sieht das Tischgerät von SymptoX aus. Es ist schwer und vor dem Bildschirm ist eine Glasscheibe angebracht, um die Reinigung zu vereinfachen. Das Gerät ist mit einem Kartenlesegerät für die Gesundheitskarte verbunden. Normalerweise steht das Tischgerät in einem kleinen Beratungsraum der Apotheke; für den Minister fand die Vorführung im Verkaufsraum statt.
„Das System hat eine komplett integrierte Benutzerführung: Der Patient wird vor das Gerät gesetzt und drückt auf den Knopf, und dann wird er komplett durch das System geführt“, erklärt Noack. Zunächst muss ein Patient seine Basisdaten eingeben und sich über einen Touchscreen-Katalog durch eine Ersteinschätzung klicken, um sicherzustellen, dass kein Rettungsdienst benötigt wird. Sollte das der Fall sein, ertönt ein Alarm. Anschließend folgt die Beschreibung der Symptome – und zwar im Gespräch mit dem Avatar.
Alle Daten und die gesamte Anamnese liegen dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin für die Videosprechstunde vor.
SymptoX verfügt über ein eigenes Ärztenetzwerk. Um eine schnelle Reaktionszeit zu gewährleisten, werden im Pool der gerade online verfügbaren Mediziner immer fünf Ärzte gleichzeitig angerufen. Der Patient soll nie länger als 10 Minuten warten müssen.
Heute nahm Dr. Jan Gerlach den Anruf aus der Apotheke entgegen. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er die „Avatarpraxen“, ein hybrides Modell aus physischer Praxis und telemedizinischer Versorgung aus dem Homeoffice.
Die Apotheke, die ist vor Ort, die ist niedrigschwellig für alle erreichbar und wir sind persönlich da“, betonte Trettin. „Wir stellen nicht nur einen Monitor hier hin, die Komponente Mensch ist auch noch da.“ Telemedizin müsse befeuert werden, betonte er – „um zu entlasten“. Er denke dabei auch an die Notaufnahme, in der viele Fälle aufschlagen würden, die eigentlich nicht dahin gehörten. „Wir können assistieren, aber auch den Patienten lenken – wir sind hier und man braucht auch keinen Termin“, erklärte er.
Daher brauche es mehr Bekanntheit für das Angebot. „Der Patient muss wissen, dass es diese Option gibt, damit er sich frei entscheiden kann.“