Bereits seit Juli bietet die Theresia Apotheke in Geltow bei Potsdam assistierte Telemedizin (aTM) an. „Wenn unsere Kunden es mitbekommen, finden sie es grandios. Aber man muss es vermitteln“, erzählt Apothekerin Theresia Weigel. Die Mundpropaganda sei zumindest aktuell aber noch nicht ausreichend, um für den nötigen Bekanntheitsgrad der neuen Dienstleistung zu sorgen. „Wir sind so niederschwellig in der Apotheke, aber assistierte Videosprechstunde ist noch nicht beim Patienten angekommen.“
Seit Juli können Patientinnen und Patienten in der Theresia Apotheke auch eine Videosprechstunde mit einem Hausarzt in Anspruch nehmen. Allerdings wissen nach wie vor nur wenige Kunden von der neuen Dienstleistung. Die Kundinnen und Kunden, die das Angebot in Anspruch nehmen, werden zumeist in der Beratung darauf hingewiesen, wenn es sinnvoll ist. „Es kommt immer aus unserer Beratung heraus“, erklärt die Apothekerin. „Wenn sie es verstanden haben, dann finden sie es toll.“
Auch die personelle Besetzung spiele eine Rolle. Denn zunächst muss eine strukturierte Ersteinschätzung durchgeführt werden. Das macht in der Theresia Apotheke das Personal vor Ort. Mit der Ersteinschätzung wird geprüft, ob eine Patientin oder ein Patient für die telemedizinische Behandlung infrage kommt, und ausgeschlossen, dass es sich um einen Notfall handelt, der sofort in die Notaufnahme oder zum Spezialisten gehen muss. Immerhin: Auch wenn die Videosprechstunde am Ende nicht durchgeführt wird, kann laut Weigel die Ersteinschätzung abgerechnet werden.
Bei der Videosprechstunde könne man sich aussuchen, ob man gemeinsam mit der Apothekerin oder dem Apotheker oder alleine mit dem Arzt sprechen möchte. Allerdings gibt es auch Situationen, in denen das Apothekenpersonal während der Sprechstunde gebraucht werde, erzählt Weigel. Das gelte zum Beispiel, wenn das digitale Stethoskop zum Abhören zum Einsatz komme.
Die Technik, die in der Theresia Apotheke zum Einsatz kommt, sei Teil eines Pilotprojektes, das zusätzlich zur Kamera auch weitere digitale Geräte zur Verfügung stellt, um während des Termins Werte zu ermitteln. Dazu gehören zum Beispiel ein digitales Stethoskop und ein Mini-EKG-Gerät.
„Wir haben das Stethoskop mit einer Hausärztin gemeinsam getestet – ich fand es faszinierend, die Ärztin hat alles klar gehört“, erzählt Weigel. Das Konzept habe Potenzial, künftig könnten auch weitere digitale Messgeräte mit angebunden werden. In dem Netzwerk seien aktuell rund 40 Hausärzt:innen angebunden. Sie könne sich auch vorstellen, zukünftig andere Fachrichtungen mit einzubinden. Auch mit den Rezepten klappe alles gut.
„Es ist ein tolles Angebot für Patienten – insbesondere in den Randzeiten.“
Auch wenn das Angebot in der Breite der Bevölkerung bislang noch nicht angekommen ist, ist die Apothekerin optimistisch: „Ich glaube, es wird anziehen.“ Potenzial habe das System unter anderem auch, da über die Telemedizin auch eine Krankschreibung erteilt werden kann und Patienten sich dann eben nicht in der Erkältungssaison in überfüllte Wartezimmer setzen müssten.
Es brauche natürlich immer eine vernünftige Beratung – sowohl in den Apotheken als auch seitens der Ärzte. „Wir überschreiten natürlich auch keine Kompetenzen; wenn etwas gefühlt werden muss oder die Kamera bei einem Ausschlag einfach nicht ausreicht, dann muss der Patient entsprechend zum Orthopäden oder Hautarzt persönlich.“
Teilweise könne sie solche Fälle schon in der Ersteinschätzung sortieren. So habe sie einen Fall gehabt, bei dem ihr bereits mit dem Mini-EKG Unregelmäßigkeiten aufgefallen seien. „Da brauche ich keinen Telemedizintermin zu machen – das ist gut für den kurzen Check, aber nicht, um ein neues Medikament zu verschreiben oder einzustellen.“
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