Auch Apotheker Alexander Stüwe will mit seiner Brücken-Apotheke in Buxtehude mit der assistierten Telemedizin (aTM) vorangehen. Er sieht in dem neuen Angebot eine enorme Chance für die Apotheken, insbesondere, um sich gegen die wachsende Konkurrenz durch den Versandhandel abzuheben. Die größte Hürde bestehe aktuell in dem fehlenden Bekanntheitsgrad der neuen Leistung.
Stüwe ist zufrieden. Er benutzt das Tischgerät von SymptoX in seiner Apotheke; die Technik laufe mittlerweile sehr stabil, es habe ein paar Anlaufschwierigkeiten gegeben, doch der Support sei immer gut erreichbar gewesen, habe schnell reagiert und sei lösungsorientiert gewesen. „Das erlebt man heute selten“, scherzt er.
Leider sei die aTM als Angebot in den Vor-Ort-Apotheken in der breiten Bevölkerung noch nicht angekommen. „Wir haben am Anfang viel Werbung gemacht, auch mit der Lokalpresse“, erzählt Stüwe. „Das ist der Hemmschuh – viele Menschen wissen einfach noch gar nichts über das Angebot.“
„Wir nutzen das System insbesondere für Akutfälle, die wir normalerweise zum Arzt verweisen“, erklärt er. Insbesondere am Mittwochnachmittag oder zu Randzeiten sei das praktisch, weil den Patienten so oft sofort geholfen werden könne. Denn wenn die Praxen bereits zu seien, landeten die Patienten dann doch notgedrungen in der Notaufnahme – auch wenn sie da eigentlich gar nicht hingehörten. Außerdem gebe es auch immer Patienten, die keinen Hausarzt hätten. Viele der Praxen seien bereits an der Kapazitätsgrenze und würden keine neuen Patienten mehr aufnehmen.
Auch für die Ärzte würden sich so neue Perspektiven ergeben. So könnten die Videosprechstunden im Homeoffice angeboten werden, das sei gerade für jüngere Menschen oder Familien mit kleinen Kindern attraktiv. So könnten Regionen mit einer noch hohen Ärztedichte auch Mangelregionen mit abdecken.
„Klar hat das System auch Grenzen“, erklärt er. Nicht alles könne abschließend in einer Videosprechstunde geklärt werden. „Wir wollen den Hausärzten keine Konkurrenz machen“, betont er. „Es geht darum, dass man Hand in Hand arbeitet.“
Bislang habe es ungefähr zehn Fälle in der Apotheke gegeben, die die aTM in Anspruch genommen hätten. „Von sich aus kommt noch keiner, wir empfehlen es in den angebrachten Fällen. Ich bin aber optimistisch, dass wir das jetzt im Winter, wenn mehr Fälle kommen, hochskalieren können.“ Auch der Aufwand halte sich in Grenzen: Das Tischgerät stehe im Beratungsraum, der ohnehin die meiste Zeit leer stehe; so würden stille Reserven gehoben. „Wir finden das wirklich gut!“
Er bekomme zum neuen Angebot viel positives Feedback. „Wenn ich mal was habe, dann komme ich sofort“, heiße es oft bei echten Fällen. „Das muss sich erst mal rumsprechen“, meint der Apotheker. Zwar gebe es auch vereinzelt Personen, die dem Angebot skeptisch gegenüberstünden, aber das seien die Ausnahmen. „Die meisten sind sehr offen und sehr interessiert und erkennen, dass es eine Lücke schließt.“
Natürlich könnten Menschen auch allein Telemedizin in Anspruch nehmen, aber im Gespräch mit seinen Patienten habe er da deutlich höhere Berührungsängste gespürt. „Wir begleiten – das ist schon der entscheidende Vorteil.“
„Es ist eine Chance, um noch konkreter als erste Anlaufstelle wahrgenommen zu werden“, ist Stüwe überzeugt. „Solche Projekte sind essenziell für das Überleben der Apotheke. Das ist die Chance, mit der man sich als Apotheke legitimieren kann.“
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