Geheimdienstbericht: Engpässe und Preissteigerungen wegen Corona-Krise

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Berlin - Die deutschen Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden befürchten wegen der globalen Corona-Krise Engpässe in der Arzneimittelversorgung. Das geht aus einem internen Bericht hervor, der am Wochenende öffentlich wurde. Es sei „eher wahrscheinlich“, dass China aufgrund der Produktionsausfälle in naher Zukunft seinen Export drosselt, um den eigenen Bedarf zu decken. Erste Preissteigerungen gebe es schon. Und die unmittelbaren Aussichten sind schlecht: Kurz- oder mittelfristig könne man nichts gegen die Abhängigkeit von der dortigen Wirkstoffproduktion tun – dazu sei eine langfristige Strategie erforderlich.

Ein gemeinsamer Bericht mehrerer deutscher Nachrichtendienste und Sicherheitsorgane befeuert die Ängste, dass es wegen der aktuellen Sars-CoV-2-Pandemie bald zu einer massiven Verschärfung von Lieferengpässen bei Arzneimitteln kommen könnte: In einem sogenannten „Sonderbericht Wirtschaftsschutz“, der dem Wirtschaftsmagazin Business Insider vorliegt, haben der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundeskriminalamt (BKA) Informationen zu den möglichen Auswirkungen der Krise auf die Arzneimittelversorgung zusammengetragen.

Die verfügbaren Informationen geben Grund zur Sorge: So sei es durch die Quarantänemaßnahmen in weiten Teilen Chinas zu Einbrüchen bei der Produktion von Wirkstoffen und Arzneimitteln gekommen, was mittlerweile auch Indien beeinträchtige, wo einige der weltgrößten Generikaproduzenten sitzen. Die bezögen bis zu 80 Prozent ihrer Wirkstoffe aus China. Deshalb könne es künftig zu Preissteigerungen kommen.

„Nun gibt es erste Hinweise auf eine mögliche Verteuerung und Verknappung bedeutender Medikamente“, zitiert Business Insider aus dem Bericht. „Besonders betroffen ist nach glaubhaften nachrichtendienstlichen Informationen die Produktion von Antibiotika, von Schmerzmitteln, von Diabetesmedikamenten (wie Metformin) sowie Herz-Kreislauf-Medikamenten.“ So sei der Preis für das Antibiotikum Azithromycin allein in der vergangenen Woche um 70 Prozent gestiegen.

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