Pharmahersteller im Corona-Modus

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Berlin -

Nicht nur die Apotheken, auch die Pharmaindustrie hat Corona in den Krisenmodus versetzt. Trotz zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen läuft die Produktion unverändert weiter. Aktuell geht es darum, die Hamsterkäufe der vergangenen Wochen nachzuarbeiten. Parallel wappnen sich die Firmen für mögliche Engpässe.

Bei Stada läuft die Produktion auch in diesen Tagen nahezu auf Normalniveau. „Unter Berücksichtigung erhöhter Sicherheitsmaßnahmen in unseren Produktionsstätten, halten wir auch in dieser schwierigen Situation uneingeschränkt an unserem Selbstverständnis fest, uns als verlässlicher Partner um die Gesundheit der Menschen zu kümmern“, so Deutschlandchef Eelco Ockers.

In Bad Vilbel und an den anderen Standorten sind deutlich weniger Menschen anzutreffen als sonst. Eine Vorsichtsmaßnahme, die auch im eigenen Interesse liegt: „Um die Gesundheit der Mitarbeiter in Produktion, Qualitätskontrolle und Logistik nicht zusätzlich zu gefährden, arbeiten bis auf Weiteres alle anderen von zu Hause aus“, so Ockers.

Und der Konzern bereitet sich auf weitere Herausforderungen vor: Um Lieferengpässen vorzubeugen, wurden bereits vor einigen Wochen weltweit mehr als 50 Millionen Euro für die Bestellung zusätzlicher Wirkstoffe und die Herstellung von Fertigprodukten investiert. Hier ging es laut Ockers hauptsächlich um Präparate, die momentan am Markt besonders benötigt werden: „So sind wir mit Grippostad C derzeit beispielsweise sehr gut bevorratet und voll lieferfähig.“ Auch Produkte zur Unterstützung des Immunsystems seien weiter erhältlich.

Bei Teva mit der Marke Ratiopharm wird ebenfalls unverändert im Drei-Schicht-Betrieb produziert; da die Belegschaft in feste Teams eingeteilt wurde, sind Übergaben und Abstimmungen mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Auch in der Logistik wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So warten Fahrer, die etwa im Ausland unterwegs waren, im Auto, während die Ware entladen wird. Nach wie vor wird in allen europäischen Werken in vollem Umfang produziert, auch in Italien und Spanien. Umgekehrt werden alle Märkte unverändert beliefert. Die Einkaufs-Abteilung prüft bereits jetzt alternative Bezugsquellen für den Fall, dass bestimmte Lieferungen etwa aus China oder Indien abgesagt werden.

„Der Bedarf an manchen Wirkstoffen ist gerade dreimal so hoch wie normal“, erklärt Deutschlandchef Christoph Stoller. „Fällt ein Zulieferer aus, suchen wir auf dem Weltmarkt nach anderen Anbietern. Ist einer gefunden, gilt es, den Wirkstoff schnellstmöglich hierher zu bekommen.“ Derzeit bemühe man sich um Luftfracht. „Das ist zwar deutlich teurer als Seefracht, aber auch sicherer. Oberste Priorität hat die Sicherstellung der Lieferversorgung und dementsprechend nehmen wir die höheren Kosten in Kauf“, so Stoller.

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