Arzneimittelversorgung in der EU

Auswirkungen von Covid-19 auf die Lieferfähigkeit

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Berlin -

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) überwacht nach eigenen Aussagen aufmerksam und fortlaufend die möglichen Auswirkungen des Ausbruchs von Covid-19 auf die pharmazeutischen Lieferketten in der EU. Bisher würden keine Berichte über aktuelle Engpässe oder Versorgungsstörungen aufgrund des Ausbruches vorliegen. Zukünftige Engpässe könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die Lage sei sehr dynamisch, deshalb hat die EMA das erste Treffen zum Thema „Mangel an Arzneimitteln aufgrund von Covid-19“ organisiert.

Die EU hat das erste Treffen zu möglichen Auswirkungen des Ausbruchs von Covid-19 auf die Arzneimittelverfügbarkeit organisiert. Teilnehmer sind neben der EMA auch die Europäische Kommission und die zuständigen nationalen Behörden der Mitgliedstaaten. Ziel ist es, Maßnahmen zur Bekämpfung der Auswirkungen des Covid-19-Ausbruchs zu erörtern. Es soll eine Führungsstrategie für dringende und koordinierte Maßnahmen innerhalb der EU erörtert werden, für den Fall, dass es durch Sars-CoV-2 zu einer zu Krise innerhalb der Versorgung mit Human- und Veterinärarzneimitteln kommt.

Ziele

Die Gruppe wird EU-weite Maßnahmen zum Schutz von Patienten koordinieren und festlegen, sodass, sollte es in der EU zu einem Versorgungsengpass kommen, optimal reagiert werden kann. Mögliche vorübergehende Sperrungen von Produktionsstätten in Gebieten, die von Covid-19 schwer betroffen sind, werden ebenfalls thematisiert. Auch mit dem Punkt „Reisebeschränkungen“ setzt sich die EMA auseinander, da diese sich unter Umständen auch auf den Versand auswirken können. Eine weitere Aufgabe der Experten ist die Sicherstellung der Information von Angehörigen der Gesundheitsberufe sein.

Apell an Pharmaunternehmen

Die EMA verweist darauf, dass der Zweck der Expertengruppe zwar darin besteht, Störungen der Arzneimittelversorgung in der EU durch einen koordinierten Ansatz zu beheben, jedoch auch die Pharmaunternehmen selbst eine große Verantwortung tragen. Die Agentur verweist hier auf angemessene Resilienzmaßnahmen wie beispielsweise die Erhöhung der Lagerbestände oder die doppelte Beschaffung von Produkten und Materialien.

Bereits ergriffene Maßnahmen

Die Arzneimittelaufsichtsbehörden haben bereits Maßnahmen ergriffen – die EMA forderte die Verbände der EU-Pharmaindustrie auf, ihre Mitglieder für die möglichen Auswirkungen von Quarantänemaßnahmen in China zu sensibilisieren. Darüber hinaus wurde erneut auf die Verpflichtung zur Meldung von eventuellen Engpässen an die Behörden hingewiesen. Spezifische Produkte, bei denen mit einem Engpass zu rechnen ist, sollten der zuständigen Behörde frühzeitig gemeldet werden.

Bisher haben Branchenverbände angegeben, dass noch keine spezifischen Störungen festgestellt wurden und dass die kurzfristigen Auswirkungen angesichts der derzeit vorhandenen Lagerbestände begrenzt wären. Je nach Verlauf der Epidemie könnten jedoch Versorgungsprobleme erwartet werden, dies gelte insbesondere für anhaltende oder ausgeweitete Sperrungen von Gebieten. Versorgungsengpässe würden dann nicht aufgrund von Präparatemangel, sondern aufgrund von logistischen Problemen beispielsweise durch Exportbeschränkungen entstehen.

Aktuelle Situation

Eine zuverlässige Meldung zu möglichen Lieferengpässen gibt es derzeit noch nicht. Allerdings scheinen die Maschinen vieler Wirkstoffproduzenten stillzustehen. Ob und in welcher Härte es Engpässe auf dem deutschen Markt geben wird, hängt von der Dauer der verhängten Quarantäne ab und ob Sperrgebiete ausgeweitet werden. Außerdem weiß niemand – mit Ausnahme des Importeurs und des Wirkstoffherstellers – wie viel Ware bereits verschifft wurde oder in Lagern vorrätig ist. Verschiebungen von Lieferungen werden erwartet. Für mindestens 19 Arzneimittel ist laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Wirkstoffhersteller in der Stadt Wuhan gemeldet. Mitte Februar befürchtete die Behörde Lieferengpässe bei 48 versorgungsrelevanten Wirkstoffen, die in China produziert werden. Die aktuelle Ausbreitung in anderen Ländern, könnte weitere Lieferengpässe verursachen.

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