FDP: Apotheken sollen alles verkaufen | APOTHEKE ADHOC
Rx-Versandhandel

FDP: Apotheken sollen alles verkaufen

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Berlin -

Kürzlich hatte FDP-Chef Christian Lindner die Apotheker mit seiner Aussage geschockt, es wäre falsch, die Apotheken „unter Naturschutz“ zustellen. Jetzt legt die für Gesundheitsfragen zuständige stellvertretende FDP-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann nach: Das Ende der Preisbindung als Folge des EuGH-Urteils sei „keine Katastrophe“. Stattdessen sollte die Begrenzung des zulässigen Waren- und Dienstleistungssortiments fallen. Und ein Rx-Versandverbot sei „unsinnig“.

Das Urteil des EuGH könnte die inhabergeführten Apotheken vor neue Herausforderungen stellen, „sofern damit die Preisbindung für Medikamente grundsätzlich in Frage gestellt werden würde“, so die FDP-Vize und weiter: „Sollte der Versandhandel den Anfang vom Ende der Preisbindung einläuten, wäre das allerdings auch keine Katastrophe.“

„Statt diesem Urteil also mit einem rechtlich höchst fragwürdigen und marktwirtschaftlich unsinnigen Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu begegnen, sollten wir den inhabergeführten Apotheken die Möglichkeit eröffnen, endlich für ihre hochwertigen Beratungsleistungen honoriert zu werden“, schlägt Strack-Zimmermann vor.

Das in einer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger werdende „qualitätsgesicherte Medikamentenmanagement“ sollte in Rücksprache mit den behandelnden Ärzten durch die Apotheker koordiniert werden. Außerdem werde es Zeit, dass Apotheken neue Aufgaben übernehmen dürften. Strack-Zimmermann: „Hierzu könnte gehören, Schutzimpfungen anzubieten und durchzuführen, um nur ein Beispiel zu nennen. Diese könnten dann in den Leistungskatalog der GKV beziehungsweise der PKV aufgenommen werden.“

„Darüber hinaus wird es endlich Zeit, dass die bislang geltende Produktbegrenzung für Apotheken konsequent entfällt“, so Strack-Zimmermann. Das Konsumverhalten der Menschen verändere sich. Auf Dauer werde es, wie in allen anderen Branchen auch, die Möglichkeit geben, sowohl online als auch im Geschäft vor Ort einzukaufen. Hierbei werde keine Berufsgruppe ausgenommen werden. „Insofern ist es wichtig, dass der Gesetzgeber den inhabergeführten Apotheken in Zukunft endlich auch die kaufmännische Luft zum atmen lässt, die sie benötigen, um auf einen sich veränderten Markt erfolgreich reagieren zu können“, so die FDP-Vize.

In einem Interview mit der FAZ hatte zuletzt auf FDP-Chef Christian Lindner für mehr Wettbewerb im Apothekenmarkt plädiert. „Es wäre falsch, die Apotheken unter Naturschutz zu stellen und den Versandhandel zu verbieten“, sagte Lindner als Reaktion auf das EuGH-Urteil. Man brauche aber einen fairen Wettbewerb: „Statt Verbote, die uns in das letzte Jahrhundert katapultieren, brauchen wir bessere Regeln für Wettbewerb. Das bleibt Herr Gröhe leider schuldig.“

Auf Facebook spottete Lindner, der nicht nur FDP-Chef im Bund, sondern auch Spitzenkandidat bei der im Frühjahr anstehenden Landtagswahl in seinem Heimatland NRW ist, über die Reaktionen der Apotheker: „Spannend, wie meine marktwirtschaftliche Position zu Versandhandel und Apotheken in der Branche aufgegriffen wird... Liberale können eben nicht einseitig für einen Anbieter Partei ergreifen. CL #ausFehlerngelernt #neueFDP“

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