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Dahmen: Patient vor Rendite

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Berlin -

GKV-Spargesetz, Investitionsstau und Fachkräftemangel: Das Gesundheitssystem steht vor enormen Herausforderungen. Könnten private Investoren hier Abhilfe schaffen? Ja, findet Sibylle Stauch-Eckmann vom Bundesverband der Betreiber Medizinischer Versorgungszentren (BBMV). Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Dr. Janosch Dahmen, hält dagegen.

Es gebe erhebliche Investitionslücken in der Versorgung, gleichzeitig seien die öffentlichen Kassen leer. „Wenn wir Versorgung gestalten und sichern wollen, warum dann nicht jede helfende Hand nutzen?“, argumentierte Stauch-Eckmann.

Kapital sei zwar per se kein Fluch, aber man müsse auch feststellen, dass man aktuell in einer besorgniserregenden Situation sei, erklärte Dahmen. Denn die Gesundheitsversorgung orientiere sich nicht ausschließlich und in erster Linie an den Bedürfnissen der Patienten und in zweiter Linie an denen der Leistungserbringer, sondern an dem Interesse, deutlich mehr Geld zu verdienen.

Man habe ein erhebliches Maß an Überversorgung. „Das führt dazu, dass nicht nur die Qualität schlechter ist, sondern die Versorgung auch sehr, sehr teuer“, sagte Dahmen. Er sehe die Gefahr, dass Geld aus dem solidarisch getragenen System abfließe, um Renditen zu erfüllen.

Problematisch sei zudem eine Rosinenpickerei beim Angebot: Als Beispiel nannte er Termine beim Augenarzt: So entscheide hier das Alter über die Terminvergabe. „Eine Grauer-Star-OP bekomme ich noch am selben Tag, eine Schielbehandlung für ein Kind dagegen nicht“, so Dahmen. „Das kann nicht richtig sein“, betonte er.

Natürlich sei privates Kapital, das in die Versorgung investiert werde, nicht pauschal schlecht; wenn dahinter aber Renditeerwartungen stünden, die zur Überversorgung und Fehlversorgung führten, sei das ein Problem. Die Ineffizienz im deutschen Gesundheitssystem sei attraktiv für solche Praktiken. Dann sei es an der Zeit, gesetzlich gegenzusteuern.

„Ich glaube nicht, dass die Trägerform über die Qualität entscheidet“, so Stauch-Eckmann. Außerdem könne man gezielt auf die Qualität einwirken. Insbesondere junge Ärzte wollten heute im Team arbeiten, statt sich direkt niederzulassen, und suchten größere Strukturen wie MVZ.

Es sei einfacher, Rosinenpickerei in der Versorgung zu betreiben und hochattraktive Eingriffe zu organisieren, um eine bestimmte Rendite zu erzielen. Es stimme, dass viele nicht mehr in der Einzelpraxis arbeiten wollten, aber das bedeute ja nicht umgekehrt, dass nun zweistellige Renditeerwartungen erst das Maß der Teamarbeit seien. „Letztlich müssen wir Gesundheitsversorgung am Gemeinwohl organisieren“, betonte er. Die Versorgung und auch die Geldflüsse müssten so organisiert sein, dass sie den Patienten in erster Linie und den Beschäftigten in zweiter Linie zugutekommen.

Es liege nicht an den MVZ, dass Deutschland sich in der Lebenserwartung im internationalen Vergleich im unteren Drittel bewege, so Stauch-Eckmann. Gestaltbare Märkte seien interessant für privates Kapital; man solle, statt Grenzen zu setzen, die Möglichkeiten von privatem Kapital sehen.

Die große Herausforderung sei es, die Versorgung auf dem Land zu organisieren. Geld allein reiche hier nicht aus, man müsse eine Infrastruktur schaffen, in der Ärzte gerne tätig seien, und durch mehr Arbeitsteilung dem wachsenden Fachkräftemangel begegnen. Man müsse gemeinsam schauen, wie man das gestalte.

Privates Kapital spiele seit Jahren eine Rolle und solle das auch weiter tun; die Frage sei eben, ob es dem Patientenwohl und einer vollumfänglichen Versorgung dienlich sei, so Dahmen. Wenn das nicht der Fall sei, könne das nicht richtig sein. Man brauche eine enge Verknüpfung mit medizinischer Verantwortung. „Ich bin überzeugt, dass sich mit gesetzlichen Regelungen die Fehlentwicklungen wieder in die richtigen Bahnen lenken lassen“, betonte Dahmen.

Dahmen forderte vor allem mehr Transparenz. Transparenz bei den Geldflüssen, wem die Einrichtungen gehören und wer die medizinische Verantwortung trägt – das seien einige der Punkte, die gesetzlich aufgegriffen werden sollten.

Dafür sei man offen, aber es sollte nicht trägerabhängig eingeführt werden, betonte Stauch-Eckmann. Allerdings brauche es auch ein adäquates Vergütungssystem, um Fehlentwicklungen zu beheben.

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