Raucherentwöhnung

Vareniclin: Unverzichtbar und nicht verfügbar

, Uhr
Berlin -

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die beiden Stoffe Vareniclin (Champix, Pfizer) und Bupropion (Zyban, GSK) auf die Liste der unverzichtbaren Arzneistoffe aufgenommen. Bislang listete die WHO nur Nikotinersatzpräparate. Die Unverzichtbarkeit beginnt in Deutschland teilweise direkt mit einer Nichtverfügbarkeit: Alle Chargen Champix sind aufgrund von Nitrosamin-Verunreinigungen zurückgerufen worden.

Die Liste der unverzichtbaren Arzneimittel wird alle zwei Jahre überarbeitet. Aktuell finden sich 479 Arzneistoffe auf der Liste – 350 davon speziell für Kinder. Mit Vareniclin und Bupropion werden erstmals zwei Wirkstoffe zur oralen Einnahme im Rahmen der Raucherentwöhnung in die Liste aufgenommen. Bisher waren nur Nikotinersatzpräparate in Form von Kaugummis und Pflastern enthalten.

N-Nitroso-Vareniclin sorgt für Lieferengpässe

Für Champix wurde ein Rote-Hand-Brief veröffentlicht. Aufgrund von Nitrosamin-Verunreinigungen gehen alle Chargen retour. Es handelt sich um N-Nitroso-Vareniclin, diese Verbindung ist wie alle Nitrosamine potenziell gesundheitsschädlich. Die Verbindungen sind als potenziell kanzerogen eingestuft. „Grundsätzlich sollen Patienten keinem zusätzlichen Lebenszeitrisiko für eine Krebserkrankung von mehr als 0,001 Prozent durch Nitrosamine in Arzneimitteln ausgesetzt werden“, informiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Grenzwerte in Champix wurden chargenübergreifend überschritten.

Entsprechend wurden alle Chargen zurückgerufen, „bei denen N-Nitroso-Vareniclin oberhalb der von Pfizer akzeptierten Tagesdosis festgestellt wurde“, teilt der Hersteller mit. „Aus Vorsichtsgründen pausiert Pfizer auch den weltweiten Vertrieb von Champix. Dies gilt bis weitere Tests durchgeführt wurden, an denen wir intensiv arbeiten.“

Wie lange Raucher:innen auf Champix verzichten müssen ist aktuell nicht klar. Ärzt:innen sollen die auf Champix eingestellten Patient:innen auf andere Therapien, wie beispielsweise Bupropion, umstellen. Ein Ausschleichen der aktuellen Therapie ist zur Vermeidung von Depression, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und einem Rückfall wichtig. Je nach Nachfrage könnte es zu einem temporären Engpass bei Zyban kommen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Gericht verbietet „Entwarnungshinweis“
Von wegen „alkoholfrei“ – Restalkohol in Aspecton »
Mehr aus Ressort
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft? »
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Gericht verbietet „Entwarnungshinweis“
Von wegen „alkoholfrei“ – Restalkohol in Aspecton»
Lüdering geht früher von Bord
Apobank: Noch ein Vorstand weg»
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft?»
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone»
Zwei Scheiben Brot fürs Wochenende
Wenn die Apotheke ein Supermarkt wäre»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kassen schicken Geldtransporter zu Apotheke»
Funktion der Immunzellen gestört
Zecken: Speichel hemmt Abwehr»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»