Keine Grippeimpfstoffe für Allergiker

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Berlin - Alexander Jaksche hat lange gesucht, aber trotz intensiver Recherche konnte er für die kommende Grippesaison keinen Impfstoff ohne Hühnereiweiß finden. Der Apotheker hat vergeblich im eigenen Lager nachgeforscht, beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) angerufen und sogar beim Großhandel nachgefragt. Nirgends erhielt er Informationen zu Influenza-Impfstoffen ohne Ei-Proteine. Erstmals gibt es in ganz Europa keine Alternative mehr. Jaksche fragt sich, wie er Allergiker im Winter versorgen soll.

„Ich habe deshalb das PEI angerufen, aber nachdem ich fünfzehn Minuten am Telefon warten musste, habe ich aufgelegt“, sagt Jaksche. Er ist Inhaber der Apotheke an der Mathildenhöhe in Darmstadt. Der Großhändler, den er anrief, führte sogar eine Spezialsuche durch – ohne Erfolg. „Die Namen der Präparate ändern sich jährlich, die Fusionen der Unternehmen irritieren völlig“, so Jaksche.

Ein Beispiel ist der aus Zellkulturen hergestellte Influenza-Impfstoff Optaflu. Der Grippeimpfstoff ist seit diesem Jahr nicht mehr auf dem deutschen Markt erhältlich. Es gibt kein alternatives europäisches Präparat. Ein Grund könnte sein, dass Hersteller an keiner Ausschreibung teilnehmen können.

Seqirus (ehemals bioCSL) ist neben Sanofi Pasteur MSD und Mylan der große Gewinner der Ausschreibungen für diesjährige Grippesaison. Der Konzern hatte die Influenza-Vakzine von Novartis übernommen; für Impfstoffe ohne Hühnereiweiß sieht es dennoch schlecht aus: „Momentan gibt es keine Alternativen auf dem Markt. Unser Mutterkonzern stellt Zellkultur-basierte Grippeimpfstoffe in der Produktionsanlage in Holly Springs in den USA her und vermarktet sie auch da“, sagt Deutschlandchef Frank Eberlein. Im Prinzip gebe es die Möglichkeit, diesen Impfstoff über eine internationale Apotheke und eine personengebundene Verschreibung zu beziehen. „Das ist krass. Da kommen beim Import ja allein 50 bis 70 Euro Versandkosten hinzu, das macht keine Krankenkasse mit”, so Jaksche.

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