Chloroquin und Azithromycin: Kardiologen warnen

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Berlin -

Der wissenschaftliche Beirat der Deutschen Herzstiftung warnt vor einem frühzeitigen Einsatz von Chloroquin (Resochin, Bayer) in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin. Fallbeispiele legen eine Wirksamkeit gegen Covid-19 nahe. Zuletzt sprach sich die US-Regierung für einen sofortigen Einsatz aus – hiervon sei Abstand zu gewinnen, so die Meinung der Kardiologen.

Die Kombination der beiden Wirkstoffe solle sofort eingesetzt werden, forderte Donald Trump am Samstag über Twitter. „Was haben wir zu verlieren?“, fragte er im Anschluss bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Wenn es nach Medizinern und Pharmakologen geht, gibt es einiges zu verlieren. Der US-Präsident würde vorschnell handeln, so die Experten der Deutschen Herzstiftung. Ein vorschneller Einsatz sei immer mit zahlreichen unbekannten Risiken verbunden. Besonders hervor heben die Experten die Nebenwirkungen der beiden Wirkstoffe: Chloroquin wie auch Azithromycin können zu kardialen Nebenwirkungen führen. „Man weiß, dass jedes der beiden Medikamente zu bösartigen Herzrhythmusstörungen führen kann und sich eine Kombinationstherapie beider Medikamente eigentlich verbietet,“ so Professor Dr. Thomas Meinertz, Kardiologe und Pharmakologe des wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Auch der Direktor des nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten der USA, Professor Dr. Anthony Fauci, äußerte sich bereits kritisch zu den Aussagen des US-Präsidenten. Er verwies darauf, dass es bislang nur vereinzelte Berichte über eine ausreichende Wirksamkeit gebe und Studien fehlen würden. Fauci zufolge gehe es nun darum, das Medikament kontrolliert und begrenzt einzusetzen, um Daten über die Wirksamkeit zu gewinnen. In China und Italien sind bereits Covid-19-Patienten mit Chloroquin behandelt worden. Der Erfolg der Therapie ist unter Experten zum Teil umstritten, da die Erkrankten Chloroquin teils in sehr hoher Dosierung und gemeinsam mit vielen weiteren Medikamenten eingenommen haben.

„Man weiß aber, dass jedes der beiden Medikamente zu bösartigen Herzrhythmusstörungen führen kann und sich eine Kombinationstherapie beider Medikamente eigentlich verbietet“, so Meinertz. Er fordert, dass vor einem großflächigen Einsatz zur Bekämpfung von Covid-19 weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Neben der Wirksamkeit müssten vor allem die Nebenwirkungen in den Fokus der Untersuchungen gelangen. Der Einsatz müsste laut Meinertz unter klinischen Bedingungen, in randomisierten Studien untersucht werden – auch der Einsatz bei bestehender Medikation. „Nur dann, wenn die Wirksamkeit die Nebenwirkungshäufigkeit bei weitem überwiegt – was durchaus sein könnte – ist ein klinischer Einsatz einer solchen Therapie gerechtfertigt.“

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