Todesfälle unter Malariamittel

FDA warnt vor Chloroquin Cynthia Möthrath, 28.04.2020 11:19 Uhr

Berlin - Bis vor kurzem galten Chloroquin und sein Metabolit Hydroxychloroquin als Hoffnungsträger im Kampf gegen die neue Lungenerkrankung Covid-19. Doch mittlerweile zeigen Studien besorgniserregende Ergebnisse. Die US-Arzneimittelbehörde FDA spricht daher nun eine Warnung für die beiden Wirkstoffe aus – Grund dafür sind zunehmende Berichte über Todesfälle.

Zu Beginn der Pandemie hatte Chloroquin in Studien gute Ergebnisse gezeigt. Der Wirkstoff wurde daraufhin von mehreren Ländern getestet und galt als vielversprechendes Therapeutikum bei Infektionen mit Sars-CoV-2. Aufgrund der zunächst positiven Ergebnisse sprachen sich auch Politiker wie US-Präsident Donald Trump für einen Einsatz des Wirkstoffes aus. Dies führte dazu, dass die Nachfrage stieg: Mittels Emergency Use Authorization wurde der Zugriff auf strategische Lagerbestände ermöglicht und der Einsatz außerhalb klinischer Studien genehmigt.

Hoffnungsträger wirft dunkle Schatten

In den vergangenen Wochen rückten jedoch zunehmend negative Ergebnisse in den Fokus. Nun reagiert auch die FDA: Mit einer Drug Safety Communication wird vor Komplikationen gewarnt, die mit der Anwendung von Chloroquin und Hydroxychloroquin einhergehen können. In den meisten Fällen beruhen diese Komplikationen auf einer Verlängerung des QT-Intervalls im EKG. Der FDA zufolge sind die Komplikationen sowohl bei ambulanten wie auch hospitalisierten Patienten aufgetreten. Einige erhielten Chloroquin oder Hydroxychloroquin als Kombinationstherapie mit dem Antibiotikum Azithromycin. Kardiologen warnten bereits frühzeitig vor dem Einsatz der Wirkstoffe. Bei den Patienten wurden Verlängerungen des QT-Intervalls, ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern beobachtet, welche in einigen Fällen tödlich ausgingen.

Desweiteren gab es zunehmende Meldungen über unerwartete Arzneimittelwirkungen und auch die Giftnotrufzentralen erhielten vermehrt Anrufe, was auf eine Anwendung in der Selbstmedikation hindeutet. Die FDA warnt die Patienten deshalb eindringlich davor, Hydroxychloroquin oder Chloroquin online zu kaufen und ohne Rezept einzunehmen. Ärzte werden erneut auf die Risiken und Komplikationen hingewiesen: Vor allem für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ist das Risiko für QT-Verlängerungen erhöht. Auch nach Absetzen der Wirkstoffe verbleiben sie aufgrund der hohen Plasmahalbwertszeit noch einige Wochen im Körper – das Risiko bleibt damit auch nach Ende der Behandlung noch bestehen. Chloroquin besitzt eine Plasmahalbwertszeit von 10 bis 30 Tagen, bei Hydroxychloroquin liegt sie sogar bei rund 45 Tagen.

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