Malariamittel fordert Todesopfer

Erste Chloroquin-Studie abgebrochen Alexandra Negt, 17.04.2020 10:25 Uhr

Berlin - Zu den vielversprechendsten Wirkstoffkandidaten bei der Suche nach einer Covid-19-Therapie gilt ein über 60 Jahre altes Malariamedikament. Nachdem Tests an Zellkulturen eine Hemmung der Vermehrung des neuartigen Coronavirus gezeigt hatten, laufen aktuell auch in Deutschland Studien mit dem Arzneistoff Chloroquinphosphat. Dieser sei aber nicht frei von Nebenwirkungen, warnte die Deutsche Herzstiftung Ende März und hält einen frühzeitigen Einsatz von Chloroquin, insbesondere in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin, für riskant. In Brasilien wurde nun eine erste Studie aufgrund von Todesfällen abgebrochen.

Bei der Studie aus dem brasilianischen Manaus erhielten die Patienten hoch dosiertes Chloroquin. Ursprünglich sollten 440 Patienten in die Studie miteingeschlossen werden – letztendlich waren es 81 hospitalisierte Personen. Innerhalb der Phase-2-Studie „CloroCovid-19“ erhielt die Hälfte der Patienten eine hohe Dosierung des Wirkstoffes: Es wurden 600 mg zweimal täglich über zehn Tage verabreicht. Die andere Hälfte erhielt eine niedrigere Dosierung von initial zweimal täglich 450 mg und an den darauf folgenden Tagen eine einmal tägliche Dosis von 450 mg, sodass über den Zeitraum von fünf Tagen eine Gesamtmenge von 2,7 Gramm gegeben wurde. Eine Placebogruppe gab es nicht.

Alle Patienten, erhielten ab Tag 0 systematisch intravenöses Ceftriaxon. Es wurde ein Gramm Wirkstoff zweimal täglich intravenös über eine Woche gegeben. Dazu erhielten die Patienten für fünf Tage eine einmal tägliche Gabe des Antibiotikums Azithromycin (500 mg). Bestand zusätzlich der Verdacht auf eine Influenza, so wurde zusätzlich Oseltamivir verschrieben. Die Dosierung für das Virustatikum betrug 75 mg zweimal täglich für einen Zeitraum von fünf Tagen. Im Amazonasgebiet dauert die Grippesaison von Januar bis April. Die klinischen Parameter wurden täglich vom klinischen Personal vom Tag 0 bis zur Entlassung oder zum Tod gemessen. Im Rahmen von Nachkontrollen wurden die Parameter erneut 14 tage und 28 Tage nach der Entlassung überprüft.

Das höhere Dosierungsschema von 12 Gramm Chloroquin über einen Zeitraum von zehn Tagen wurde von den Wissenschaftlern als unsicher eingestuft. Die Fortsetzung dieses Studienarms sei nicht weiter zu rechtfertigen. „Wir empfehlen daher dringend, diese Dosierung nirgendwo mehr zur Behandlung von schweren Covid-19 Verläufen zu verwenden“, so das Fazit der Forscher. Diese Empfehlung würden sie insbesondere deshalb aussprechen, da weltweit zumeist ältere Patienten aufgrund einer Sars-CoV-2-Infektion stationär behandelt werden würden und diese zumeist kardiovaskuläre Vorerkrankungen aufweisen würden. Bisher konnten die Wissenschaftler keinen offensichtlichen Nutzen von Chloroquin in Bezug auf die Letalität bei den Patienten feststellen.“ Um die geplante Stichprobengröße zu vervollständigen werden wir aber weiterhin Patienten in die Gruppe mit niedriger Chloroquin-Dosis aufnehmen.“

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