Die aktuellen Hoffnungsträger

Covid-19: WHO kündigt globale Studie an Alexandra Negt, 24.03.2020 09:45 Uhr

Berlin - Aktuell stehen vier Wirkstoffkombinationen im Zentrum der Corona-Forschung. Wissenschaftler testen hierfür auch bereits zugelassene Arzneimittel, so könnte ein potentiell wirksamer Kandidat schneller in der Praxis angewandt werden. Vielversprechend scheinen das Malariamittel Chloroquin und der Abkömmling Hydroxychloroquin, das HIV-Medikament Kaletra (Lopinavir/Ritonavir), Kaletra in Kombination mit Beta-Interferonen und das Virusstatikum Remdesivir, welches bereits gegen Ebola eingesetzt wurde. Die WHO kündigte nun eine großangelegte, weltweite Studie an – sie trägt den Namen Solidarity.  

Am Freitag kündigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die globale Studie an, um herauszufinden, welche Arzneistoffe gegen die Infektion mit dem neuen Coronavirus wirken. Es ist eine beispiellose Studie, die schnell zu umfassenden Ergebnissen führen soll. Ziel ist es, möglichst viele Daten während der Pandemie zu sammeln. Das Studiendesign wurde bewusst einfach gehalten, sodass auch Krankenhäuser in der jetzigen Situation teilnehmen können. An der Solidarity Studie nehmen somit tausende Patienten aus zahlreichen Ländern teil.

Lopinavir/Ritonavir (Kaletra, AbbVie)

Lopinavir hemmt die HIV-Protease, hierbei handelt es sich um ein Enzym, das beim Aufbau neuer Viren essentiell ist. Das Schlüsselenzym ist dafür zuständig, das von der befallenen Wirtszelle produzierte Protein zu spalten. Durch die Hemmung des Enzyms kommt es zur Anhäufung nichtinfektiöser Virus-Vorstufen. Lopinavir wird zusammen mit Ritonavir verabreicht, um den Abbau von Lopinavir zu verlangsamen. Durch die fixe Kombination der beiden Proteasehemmer verbleibt mehr Wirkstoff länger im Körper.

Der Wirkstoff erwies sich zum Teil als wirksam bei mit dem MERS-Virus infizierten Krallenaffen. Kaletra wurde auch bei SARS- und MERS-Patienten getestet – die Ergebnisse dieser Studien sind nicht eindeutig. Nach dem Sars-CoV-2 Ausbruch in Wuhan hat AbbVie Kaletra-Dosen im Wert von zwei Millionen Dollar für den experimentellen Einsatz nach China verschickt.

Der erste Anwendungsversuch war nicht sehr erfolgsversprechend. Ärzte in Wuhan gaben 199 Patienten zweimal täglich zwei Tabletten der fixen Kombination Lopinavir / Ritonavir plus Pflege oder keine Medikation, sondern Pflege allein. Im Ergebnis gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen, berichteten sie am 15. März im The New England Journal of Medicine (NEJM). Die Autoren berichteten aber ebenfalls, dass die Patienten sehr krank waren, über 20 Prozent starben, es besteht der Verdacht, dass die Behandlung möglicherweise zu spät begonnen wurde.

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Maßnahmen im Epidemie- oder Pandemiefall

Pharmazieräte: Apotheken sollten Betriebsärzte bestellen»

Aufklären und Gemeinschaftssinn stärken

Corona: Einfluss auf die Kinder-Psyche»

Neun Hersteller mit im Rennen

Remdesivir: Generika sollen schnell folgen»
Markt

Projekt „Switch“

Ominöse Briefe: Easy auf Kaltakquise»

Großhandel

Sanacorp: Defekte als Umsatzkiller»

Großhandel

IT-Störung: Wannen für 200 AEP-Kunden verspätet»
Politik

Stellungnahme zu Selbsttötung

BAK gegen Kontrahierungszwang bei Sterbehilfe»

Fehlmedikation bei Parkinson-Patienten

Bundesregierung: Kein Interesse an Aut-idem-Reform»

Zukunftspakt spendiert Werbeflächen

My Life: Kampagne von Kammer und Verband»
Internationales

Österreich

Wirkstoffverordnung: Hersteller gegen Gesundheitsminister»

Gesundheitsausschuss stimmt für Festpreise

Schweiz: Apotheker sollen nur noch das Billigste abgeben»

Führungswechsel

EMA: Pharmazeutin als neue Geschäftsführerin»
Pharmazie

Nächtliche Lichtexposition

Brustkrebsrisiko erhöht durch Straßenlaternen»

AMK-Meldung

Daivobet: Abweichende Haltbarkeitsangaben»

Rückruf

Ibuflam geht retour»
Panorama

WHO

Kampf gegen HIV und Aids in Gefahr – wegen Corona»

Nachhaltigkeitsprojekt

Apothekenwald: Die ersten Bäume sind gepflanzt»

Baldrian, Hopfen & Co.

Heilkräuterwanderung – gefragt wie nie»
Apothekenpraxis

Timo coacht

Digitalisierung: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen»

Wieder mit Phoenix vereint

MVDA: AEP hat ausgedient»

IT-Umstellung

Folgekosten: Apobank richtet Schadensstelle ein»
PTA Live

ZL prüft Ophthalmika

Ringversuch: Hypertone Natriumchlorid-Augentropfen»

Auf den Bindungspartner achten

Dosierung anpassen: Coffein oder Coffeincitrat?»

Frau zieht im Verkaufsraum blank

Braunschweig: Popo-Diebin schlägt schon wieder zu»
Erkältungs-Tipps

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»

Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung

Infekte in der warmen Jahreszeit»
Magen-Darm & Co.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Schubweises Leiden»

Besondere Ernährungsformen

Low-carb und Keto: Verzicht auf Kohlenhydrate»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Bluthochdruck, Diabetes & Co.

Chronische Erkrankungen in der Schwangerschaft»

Engmaschige Vorsorgemöglichkeiten

Risikoschwangerschaft: Von Fruchtwasseruntersuchung und iGeL»

Hygienemaßnahmen bieten Schutz

Covid-19 in der Stillzeit: Was ist zu beachten?»
Medizinisches Cannabis

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»

Cannabispreisverordnung

Tilray: „Auch wir haben auf die Änderungen reagiert“»
HAUTsache gesund und schön

Isotretinoin, MTX & Co.

Hautpflege bei bestimmter Medikation»

Neue Kosmetikkonzepte

Hygiene in die Pflegeroutine integrieren»

Sommerzeit = Sonnenbrandzeit

Sonnenschutz: Mindestens LSF 30»