Covid-19: WHO kündigt globale Studie an

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Berlin -

Aktuell stehen vier Wirkstoffkombinationen im Zentrum der Corona-Forschung. Wissenschaftler testen hierfür auch bereits zugelassene Arzneimittel, so könnte ein potentiell wirksamer Kandidat schneller in der Praxis angewandt werden. Vielversprechend scheinen das Malariamittel Chloroquin und der Abkömmling Hydroxychloroquin, das HIV-Medikament Kaletra (Lopinavir/Ritonavir), Kaletra in Kombination mit Beta-Interferonen und das Virusstatikum Remdesivir, welches bereits gegen Ebola eingesetzt wurde. Die WHO kündigte nun eine großangelegte, weltweite Studie an – sie trägt den Namen Solidarity.  

Am Freitag kündigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die globale Studie an, um herauszufinden, welche Arzneistoffe gegen die Infektion mit dem neuen Coronavirus wirken. Es ist eine beispiellose Studie, die schnell zu umfassenden Ergebnissen führen soll. Ziel ist es, möglichst viele Daten während der Pandemie zu sammeln. Das Studiendesign wurde bewusst einfach gehalten, sodass auch Krankenhäuser in der jetzigen Situation teilnehmen können. An der Solidarity Studie nehmen somit tausende Patienten aus zahlreichen Ländern teil.

Lopinavir/Ritonavir (Kaletra, AbbVie)

Lopinavir hemmt die HIV-Protease, hierbei handelt es sich um ein Enzym, das beim Aufbau neuer Viren essentiell ist. Das Schlüsselenzym ist dafür zuständig, das von der befallenen Wirtszelle produzierte Protein zu spalten. Durch die Hemmung des Enzyms kommt es zur Anhäufung nichtinfektiöser Virus-Vorstufen. Lopinavir wird zusammen mit Ritonavir verabreicht, um den Abbau von Lopinavir zu verlangsamen. Durch die fixe Kombination der beiden Proteasehemmer verbleibt mehr Wirkstoff länger im Körper.

Der Wirkstoff erwies sich zum Teil als wirksam bei mit dem MERS-Virus infizierten Krallenaffen. Kaletra wurde auch bei SARS- und MERS-Patienten getestet – die Ergebnisse dieser Studien sind nicht eindeutig. Nach dem Sars-CoV-2 Ausbruch in Wuhan hat AbbVie Kaletra-Dosen im Wert von zwei Millionen Dollar für den experimentellen Einsatz nach China verschickt.

Der erste Anwendungsversuch war nicht sehr erfolgsversprechend. Ärzte in Wuhan gaben 199 Patienten zweimal täglich zwei Tabletten der fixen Kombination Lopinavir / Ritonavir plus Pflege oder keine Medikation, sondern Pflege allein. Im Ergebnis gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen, berichteten sie am 15. März im The New England Journal of Medicine (NEJM). Die Autoren berichteten aber ebenfalls, dass die Patienten sehr krank waren, über 20 Prozent starben, es besteht der Verdacht, dass die Behandlung möglicherweise zu spät begonnen wurde.

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