Zytokinsturm unter Sars-CoV-2

Siltuximab bei Covid-19

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Berlin -

Bei der Suche nach einem geeigneten Therapieansatz für Covid-19 kristallisieren sich langsam erste Ergebnisse heraus. Auch für den monoklonalen Antikörper Siltuximab (Eusa Pharma) liegen erste Zwischenergebnisse vor.

Das Pharmaunternehmen Eusa Pharma hat den Antikörper in einer Beobachtungsfallkontrollstudie erprobt: Die „SISCO-Studie“ (Siltuximab In Serious Covid-19) untersucht die Anwendung von Siltuximab bei Covid-19-Patienten mit Lungenentzündung oder akutem Atemnotsyndrom (ARDS) im Rahmen eines Compassionate Use-Programms im Krankenhaus Papa Giovanni XXIII in Bergamo.

Monoklonaler Antikörper gegen Zytokinsturm

Zahlreichen Berichten zufolge geht eine Covid-19-Infektion mit einem sogenannten „Zytokinsturm“ einher: Dabei handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems, die mit einer erhöhten Bildung von entzündungsrelevanten Zytokinen einhergeht und somit zu einer systemischen Entzündungsreaktion führt. Dadurch kann es bei Covid-19 zu schweren und zum Teil lebensbedrohlichen Atemwegs-Komplikationen kommen. Außerdem scheinen erhöhte Interleukin-6-Spiegel mit der Schwere der Erkrankung in Zusammenhang zu stehen. Die Behandlung des Zytokinsturms und ein Angriff an Interleukin-6 (IL-6) könnte damit ein wichtiger Therapiebestandteil für schwere Covid-19-Fälle sein.

Für die Behandlung könnte beispielsweise der monoklonale Antikörper Siltuximab (Handelsname Sylvant) zum Einsatz kommen: Es handelt sich dabei um einen chimären, monoklonalen Antikörper, der mit hoher Affinität stabile Komplexe mit der löslichen Form von humanem IL-6 bildet. Eigentlich ist der Wirkstoff in den USA und Europa zur Behandlung von HIV- und HHV-8-negativen Patienten mit der multizentrischen Castleman-Krankheit (MCD) zugelassen .

Zwischenergebnisse veröffentlicht

Die Zwischenergebnisse der Sisco-Studie sind vielversprechend: Insgesamt werden 25 Patienten mit nachgewiesener Covid-19-Infektion untersucht und mit Siltuximab behandelt. Die Studie ist eine einarmige Fall-Kontroll-Studie: Alle Patienten erhielten den Wirkstoff in einer Dosis von 11 mg / kg – diese wurde über eine Stunde infundiert. Nach Ermessen des Arztes folgte bei fünf Patienten eine zweite Dosis 48 bis 72 Stunden nach der ersten Gabe. Im Durchschnitt sind die Patienten 64 Jahre alt, 86 Prozent waren männlich. Zu den häufigsten Grunderkrankungen zählen Hypertonie (43 Prozent), Herzkreislauferkrankungen (19 Prozent) und Diabetes (24 Prozent). Die Beobachtungsdauer der Patienten betrug durchschnittlich acht Tage. Primäre Endpunkte der Studie sind die Verringerung der Notwendigkeit einer invasiven Beatmung, die Verkürzung der Zeit auf der Intensivstation und die Reduktion der 30-Tage-Mortalität.

Vorläufige Ergebnisse sind positiv

Bei 76 Prozent der Patienten gab es positive Ergebnisse: Sieben der 21 Patienten zeigten eine Verbesserung der Symptome, bei neun stabilisierte sich der Krankheitszustand. Die Konzentration von C-reaktivem Protein (CRP) nahm bei allen Teilnehmern ab. Dennoch kam es bei 24 Prozent zu einer Verschlechterung, ein Patient verstarb. In den kommenden drei bis vier Wochen sollen die Ergebnisse mit einer abgestimmten Fallkontrolle verglichen werden, in der nicht mit Siltuximab behandelt wurde. Zudem befinde sich Eusa Pharma in Gesprächen mit verschiedenen Zentren, um eine größer angelegte Studie starten zu können, erklärte der Hersteller.

Weitere Ansätze bei Zytokinsturm

Novartis meldete zu Beginn des Monats, dass auch Jakavi (Ruxolitinib) gegen Covid-19 zum Einsatz kommen könnte: In Zusammenarbeit mit dem biopharmazeutischen Unternehmen Incyte soll eine Phase-III-Studie erfolgen, die Bedeutung von Jakavi zur Behandlung des Zytokinsturms im Zusammenhang mit Covid-19 ermittelt. In der Studie soll Jakavi in Kombination mit einer Standard-of-Care-Therapie (SoC) im Vergleich zur SoC-Therapie als Monotherapie allein bei Patienten mit schweren Pneumonien infolge einer Sars-CoV-2-Infektion untersucht werden. Außerdem hat Novartis ein internationales Compassionate Use-Programm eingerichtet. Eigentlich ist Jakavi für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit Polycythämie vera (PV), die gegen Hydroxycarbamid resistent oder intolerant sind, sowie für die Behandlung von krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen bei erwachsenen Patienten mit primärer Myelofibrose (MF) zugelassen.

 

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