Bayers zweiter Kandidat?

Niclosamid – Wurmmittel gegen Covid-19 Alexandra Negt, 02.05.2020 07:18 Uhr

Berlin - Der einst von Bayer auf dem Markt gebrachte Wirkstoff Niclosamid könnte ein neuer möglicher Wirkstoffkandidat im Kampf gegen Covid-19 sein. Unter dem Namen Yomesan wurde das Antihelminthikum 1959 auf den Markt gebracht. Somit ist das Bandwurmmittel das zweite Präparat des Pharmakonzerns, das als Arzneimittel gegen Sars-CoV-2 in Betracht gezogen werden könnte. Das ebenfalls vor 60 Jahren auf den Markt gebrachte Malariamittel Resochin wird akutell in mehreren Studien auf eine Wirksamkeit gegen das Coronavirus geprüft. Studien mit Niclosamid könnten folgen.

Forscher der Berliner Charité nehmen aktuell einen weiteren Wirkstoffkandidaten – vorerst theoretisch – ins Visier. Niclosamid, enthalten im Antihelminthikum Yomesan (Bayer), könnte laut Überlegungen der Wissenschaftler wirksam gegen Sars-CoV-2 sein. Das Bandwurmmittel verstärkt die körpereigene Immunantwort der Zelle und könnte somit die Virusvermehrung im Organismus hemmen. Ähnlich wie beim natürlichen Wirkstoff Spermidin, könnte auch diese Autophagie-fördernde Substanz die Virusvermehrung reduzieren. Zu Spermidin veröffentlichten die Virologen Dr. Marcel Müller und Professor Dr. Christian Drosten, (beide Institut für Virologie an der Berliner Charité) und Dr. Nils Gassen (Universitätsklinikum Bonn) bereits erste Ergebnisse. In Laborversuchen konnte die Vermehrung des Virus ausreichend gehemmt werden, sodass die Wissenschaftler die Genehmigung für eine klinische Studie beantragt haben.

Autophagie als Wirkmechanismus

Die Autophagie dient grob gesagt der Zellreinigung. Bei dem intrazellulären Prozess wird beschädigtes Zellmaterial abgebaut. Neben Proteinen werden auch Teile von defekten oder veralteten Zellorganellen beseitigt. Die Autophagie stellt einen elementaren Bestandteil der zellulären Qualitätskontrolle dar. Ohne diesen Prozess wäre die Zelle nicht funktionsfähig. Der Vorgang ist zudem wichtig für die körpereigene Immunantwort. Dringen Krankheitserreger oder Fremdeiweiße in die Zellen ein, so können sie unter anderem durch Autophagie abgebaut und unschädlich gemacht werden.

Abbau beschleunigen

Der Prozess der Autophagie lässt sich durch bestimmte Wirkstoffe beschleunigen. Am Anfang der Autophagie-Kette steht das Molekül Beclin-1. Was Wissenschaftler bisher wissen: Sars-CoV-2 scheint in die Kettenreaktion einzugreifen – die Autophagie wird gestört, der Virus kann sich in der Zelle vermehren. Das Bandwurmmittel Niclosamid greift auf einer vorgelagerten Ebene der Autophagie-Kaskade ein und blockiert ein Molekül, das Skib-2 heißt. Niclosamid ist somit fähig, das Beclin-1 zu stabilisieren. Es kommt zu einer Verstärkung der Autophagie. Die Vermutungen der Forscher: Der Arzneistoff hemmt das Viruswachstum in der Zelle.

Yomesan – Niclosamid

Yomesan ist wirksam gegen Schweine-, Rinder-, Fisch- und Zwergbandwürmer. Es kann bereits ab Geburt gegeben werden. Andere Antihelminthika wie Pyrantel (Helmex) oder Pyrvinium (Molevac) dürfen erst ab sechs Monaten beziehungsweise einem Jahr gegeben werden. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Wirkstoffen, die gegen Würmer eingesetzt werden, besitzt Niclosamid keine Kontraindikationen. Lediglich das dritte Trimenon sowie die Stillzeit stellen Gegenanzeigen dar. Auch das Wechselwirkungsprofil ist übersichtlich – in der Fachinformation wird nur Alkohol genannt. Zu den aufgeführten Nebenwirkungen gehören Schwindel und Benommenheit, allergische Hautreaktionen und Cyanose. Die Häufigkeit der unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist nicht angegeben.

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