Molevac-Dragees fehlen: Welche Alternativen gibt es?

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Berlin - Der Blick in die Schublade verrät nichts Gutes: Das Fach der Molevac-Dragees (Pyrvinium, Infectopharm) steht in vielen Apotheken bereits seit längerem leer. Die Alternativen sind jedoch begrenzt – weil kein anderer Hersteller in diese Nische gehen will. Das erklärt auch den vergleichsweise hohen Preis für die Behandlung einer Infektion, die neben Läusen ein häufiges Problem bei Kindern ist.

Molevac ist zur Behandlung von Madenwurmbefall – medizinisch auch „Oxyuriasis“ – geeignet. Das Präparat kann bei Kindern ab drei Jahren angewendet werden und ist auch für Jugendliche und Erwachsene geeignet. Ausgelöst wird die Infektion durch Enterobius vermicularis, typisches Symptom ist Juckreiz am Abend. Der Hersteller Infectopharm hat derzeit allerdings mit einem vorübergehenden Lieferengpass des Anthelmintikums zu kämpfen. Grund für die Probleme sind Verzögerungen in der Produktion – das Unternehmen wechselt gerade zu einem Standort in Deutschland.

Als Alternative steht Molevac in Form einer Suspension zur Verfügung. Diese ist bereits für Kinder ab einem Jahr geeignet und kann somit auch für ältere Kinder verwendet werden. Allerdings stören sich manche Kinder am Geschmack.

Der Fall ist exemplarisch für Nischenprodukte im deutschen Arzneimittelmarkt: Aufgrund der vergleichsweise geringen Abverkaufszahlen scheuen sich andere Hersteller, eigene Produkte einzuführen. Denn stehen die Chancen schlecht, die Investitionskosten refinanziert zu bekommen – solche Nischen zu besetzen, ist daher Strategie von Infectopharm. Bei Molevac kommt hinzu, dass die Herstellung teuer ist, denn in den Räumen und Produktionsanlagen lässt sich dann kein anderer Wirkstoff verarbeiten. So sind die Kosten hoch – und auch der Preis. Viele Eltern ärgern sich, wenn sie – nicht selten im Notdienst nach der abendlichen Entdeckung des Wurmbefalls – 40 Euro für eine Packung mit acht Dragees bezahlen müssen. Zumal eigentlich die ganze Familie behandelt werden muss und auch Reinfektionen trotz Hygienemaßnahmen häufig vorkommen.

Als rezeptpflichtige Alternative steht von Infectopharm außerdem der Wirkstoff Pyrantel in Form von Helmex als Kautabletten oder Suspension zur Verfügung. „Diese können alternativ zur Behandlung von Enterobius vermicularis (Oxyuriasis) bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt werden“, erläutert der Hersteller. Der in Helmex enthaltene Wirkstoff ist ein Breitband-Anthelminthikum, welches gegen Maden-, Spul- und Hakenwürmer im Gastrointestinaltrakt wirksam ist. Die Tabletten – welche vor dem Schlucken zerkaut werden sollen – sind für Kinder ab zwei Jahren und einem Körpergewicht von 12 kg zugelassen, die Suspension kann bereits ab einem Alter von sechs Monaten angewendet werden.

Allerdings scheuen viele Eltern den Weg zum Arzt – nicht nur weil sie ihren Kindern schnell helfen wollen, sondern auch weil Würmer nach wie vor ein Tabuthema sind. Bei Infectopharm kümmert sich daher ein Produktmanager um die zahlreichen Anfragen von Verbraucher:innen, die täglich zu dem Thema eingehen.

 

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