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Pharmaziestudium: Deutschland nicht attraktiv

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Berlin -

Das Nachrichtenmagazin „US News“ und das Marktforschungsunternehmen Clarivate Analytics haben eine Rangliste der weltbesten Universitäten für das Pharmaziestudium veröffentlicht. Wie bei den meisten internationalen Rankings bekleckern sich deutsche Hochschulen dabei nicht mit Ruhm. Allerdings sollte die Frage nach der Aussagekraft nicht unter den Tisch fallen.

Wer Pharmazeut werden will und dann eine Karriere in einem internationalen Pharmakonzern anstrebt, der ist gut beraten, in die USA zu gehen. Diesen Schluss legt das aktuelle Ranking der weltbesten Universitäten für das Pharmakologie- und Toxikologiestudium nahe, das „US News“ kürzlich veröffentlicht hat. Die Auswertung ist Teil einer umfangreichen Analyse des Nachrichtenmagazins, das 22 Fachrichtungen aufgeschlüsselt hat. Wie auch andere internationale Hochschulrankings, beispielsweise das „Times Higher Education Ranking“, wird die Rangliste von US-Universitäten beherrscht.

Wer das weltbeste Pharmaziestudium genießen will – und das nötige Kleingeld hat – geht demzufolge nach Harvard, ohnehin weltweit der Inbegriff einer Elite-Universität. Der Rest der Top 10 wird dominiert von den Public Ivies, den staatlichen Exzellenz-Unis der USA. Mit einigem Abstand folgt auf Platz 2 die Universität Chapel Hill in North Carolina, danach kommt zweimal die University of California (San Diego und San Francisco). Seattle, global einer der wichtigsten Standorte für Arzneimittelforschung und Biotechnologie, kommt mit der University of Washington wenig überraschend auf Platz 5.

Zumindest um in den Top 10 zu bleiben, muss der ambitionierte Weltpharmazeut nicht über den Atlantik, sondern nur über die Flensburger Förde. Denn die Universität Kopenhagen schließt mit Platz 6 als beste europäische Universität ab. Nach dem weltberühmten Massachusetts Institute of Technology auf Platz 7 folgt die zweite europäische Top-Uni: das University College London. Nach Stanford auf dem 9. Platz folgt – gerade noch in den Top 10 – die drittbeste europäische Universität, das Karolinska-Institut in Stockholm, wo nicht umsonst entschieden wird, wer den Medizin-Nobelpreis verliehen bekommt.

Und Deutschland? Wer die hiesigen Exzellenz-Universitäten sucht, muss noch zwei Seiten weiterblättern: Als beste deutsche Uni erreicht die FU Berlin Platz 35, einen Platz hinter der Pariser Université Pierre et Marie Curie. Sieben Universitäten aus der Bundesrepublik haben es in die Top 100 geschafft: München auf Platz 59, Heidelberg auf Platz 64, Tübingen auf 67, Frankfurt auf 81, Mainz auf 85 und die Berliner Charité auf Platz 93. Knapp an den Top 100 vorbei geschrammt ist die HU Berlin mit Platz 104. Besonders verwunderlich: An der HU kann man schon seit Ende der 90er-Jahre kein Pharmazie mehr studieren und die Charité bietet den kostenpflichtigen Master-Studiengang Toxikologie derzeit ebenfalls nicht an.

Um an einer Uni zu studieren, die besser als alle deutschen ist, muss man dem Ranking zufolge trotzdem nicht allzu weit umziehen: Bereits auf Platz 11 befindet sich die Universität Utrecht in den Niederlanden, auf Platz 20 folgt dann die Katholische Universität Leuven in Belgien. Zwei Plätze dahinter kommt mit Leiden erneut eine niederländische Uni. Und auch die asiatischen Metropolen haben Deutschland hinter sich gelassen: Auf Platz 18 findet sich die Nationaluniversität Seoul, auf Platz 26 die Universität Peking und auf Platz 29 die Nationaluniversität Singapur.

Schaut die selbst erklärte Bildungsnation Deutschland also nur von der Seitenlinie zu, wenn sich die internationale Pharmazie misst? Dass Deutschland im internationalen Wissenschaftsbetrieb an Boden verliert, wird von vielen kritisiert. Doch wird auch immer wieder davor gewarnt, derartige Universitätsrankings zu ernst zu nehmen. Denn deren Methodik ist durchaus umstritten. So basiert das von „US News“ und Clarivate erarbeitete Ranking auf elf Indikatoren, die unterschiedlich gewichtet werden und vor allem eines messen: die wissenschaftliche Reputation des Hauses. So spielt vor allem die Zahl der Publikationen, der internationalen Kooperationen und der Zitationen in Fachpublikationen eine Rolle bei der Bewertung. Soll heißen: Je mehr geforscht wird und je exzellenter die dort arbeitenden Wissenschaftler sind, desto höher ist eine Universität gelistet.

Ein häufig kritisierter Mangel dabei: Die Indikatoren orientieren sich vor allem an der angelsächsischen Struktur des Wissenschaftsbetriebs, in der die Verzahnung von Hochschulen und Industrie enger und die Rolle eigenständiger Forschungsinstitute geringer ist. Gleichzeitig ist auch deren Dominanz in den internationalen Fachpublikationen am höchsten. Nationale oder regionale Besonderheiten in der Struktur des Wissenschaftsbetriebs werden hingegen kaum bis gar nicht berücksichtigt.

Hinzu kommt der oft gehörte Einwand, dass ein guter Wissenschaftler nicht automatisch ein guter Lehrmeister ist. Soll heißen: Die wissenschaftliche Exzellenz eines Standort macht ihn nicht zwangsläufig zu einem Ort mit guten Lernbedingungen. Während viele Elite-Institute in den USA vornehmlich auf die Forschung ausgerichtet sind, nimmt in Europa oftmals die Lehre einen größeren Raum ein.

Wie die Studienbedingungen, die Betreuungssituation, die Ausstattung abseits der Elite-Forscher oder gar die Evaluierung der Lernbedingungen durch die Studierenden selbst aussehen, bleibt weitestgehend unbeachtet. Wer sich nicht als Aspirant auf einen Nobelpreis sieht, sondern lieber in einem Heilberuf Beratung und Therapie anbieten will, sollte sich allerdings nicht nur von den Namen an der Institutsspitze leiten lassen, sondern auch über die Studien- und Lernbedingungen nachdenken.

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