Versandapotheken

DocMorris-Automat in leerer Apotheke

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Berlin -

DocMorris beobachtet Apothekenschließungen ganz genau. Schon mit ihrem Bus hatte sich die niederländische Versandapotheke in dünn besiedelten Regionen in Stellung bringen wollen. Im baden-württembergischen Hüffenhardt will sich die Tochter von Zur Rose jetzt in einer leer stehenden Apotheke einmieten. Ab Sommer sollen Patienten dort über ein Videoterminal beraten werden. Die Arzneimittel sollen aus einem Abholautomaten direkt vor Ort ausgegeben werden.

Bürgermeister Walter Neff wurde Ende 2014 von DocMorris angesprochen und mit der Idee konfrontiert. Damals zeichneten sich die Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger für die Apotheke im Ort ab. Nach der Schließung im März 2015 fehle die pharmazeutische Beratung im Ort, sagt Neff. Die Arzneimittelversorgung der rund 2000 Einwohner sei durch Apotheken aus benachbarten Ortschaften sichergestellt.

Die Gemeinde wird die Räume an die Zur Rose-Tochter vermieten. Noch seien aber keine Verträge unterschrieben, so Neff. Geplant ist ein Videoterminal, über das pharmazeutische Fachkräfte von Heerlen aus beraten. Der Automat wird laut DocMorris rund 8000 Packungsplätze sowie einen gekühlten Bereich haben. Ausgegeben werden OTC- und Rx-Präparate. Die Abläufe seien rechtlich geprüft worden, sagt ein Sprecher.

Vor der Abgabe würden die Kunden immer in einer abgeschotteten Kabine beraten. Ein sogenannter Welcome-Manager soll bei technischen Fragen vor Ort helfen. Pharmazeutische Fachkenntnis werde dafür nicht verlangt. Das Pilotprojekt soll im Sommer starten. Weitere Standorte sind laut DocMorris zunächst nicht geplant. „Wir werden bestehenden Vor-Ort-Apotheken keine Konkurrenz machen“, so der Sprecher.

Neff befürwortet das Videoterminal. „Auch ältere Menschen befassen sich immer mehr mit Technik.“ Allerdings müssten Senioren vermutlich erst eine Hemmschwelle überwinden, bevor sie das Angebot nutzten. Auch der Hausarzt wurde mit eingebunden. Ohne dessen Unterstützung wäre das Projekt nicht durchführbar gewesen, so der Sprecher.

Reinhold Fuchs konnte für seine Brunnen-Apotheke keinen Nachfolger finden. Er hatten den Standort 30 Jahre lang gemietet. Eigentlich wollte der Inhaber bereits vor zwei Jahren in Rente gehen und seine Apotheke übergeben. Doch der junge Kollege sprang kurzfristig ab. Die Gemeinde hatte sogar angeboten, nötige Umbauten zu finanzieren und die Miete zu senken.

DocMorris bietet in Zusammenarbeit mit der Telekom wochentags von 8 bis 20 Uhr eine Liveberatung über das Internet an. Patienten in ländlichen Regionen hatte die Versandapotheke bereits vor Jahren als Zielgruppe ausgemacht; in Hayn im Südharz war sogar einmal die Eröffnung einer Apotheke im Gespräch. Der Bürgermeister wartete dann vergebens auf einen Anruf aus Heerlen.

Kurz vor der Bundestagswahl tingelte im Sommer 2013 der DocMorris-Apothekenbus mit viel PR-Getöse durch das Land. In 15 deutschen Städten wurden Station gemacht; vielerorts gab es Proteste der ansässigen Apotheker. Arzneimittel wurden in dem Werbefahrzeug nicht abgegeben. Allerdings sei es ein Ziel, später in dem Bus Medikamente zu verkaufen, hatte DocMorris-Chefapotheker Professor Dr. Christian Franken bei der Vorstellung gesagt. Später wurde das Projekt auf Eis gelegt.

Apothekenbusse wurden zum Politikum. Die Union sprach sich in ihrem Wahlprogramm dafür aus, rollende Apotheken einzuführen. „Für mobile Dienstleistungsangebote (zum Beispiel rollende Verkaufsläden, Apotheken und Banken) wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern", hieß es in dem Papier.

Der damalige gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, sagte vor der Wahl, es müsse auch über mobile Alternativen nachgedacht werden, um die flächendeckende Versorgung auf dem Land auch künftig zu sichern. Später ruderte er unter dem Druck der Apotheker zurück. Auch die SPD in Brandenburg strich die Idee eines Apothekenbusses Mitte 2014 aus dem Wahlprogramm.

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