Versandapotheken

DocMorris: Pflaster vorm Mund

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Berlin -

Netzwerken, Lobbyieren, Präsenz zeigen: DocMorris bleibt nicht nur auf Parteitagen, sondern nutzt auch Veranstaltungen wie den Bundespresseball als Plattform. Im traditionellen Satiremagazin des Festes hat die niederländische Versandapotheke auf den ersten beiden Seiten eine Anzeige geschaltet, die, ohne es auszusprechen, offensichtlich gegen die Apotheker schießt.

Beim Bundespresseball trifft sich jedes Jahr Ende November die Berliner Politprominenz: Bundespräsident Joachim Gauck eröffnete die Veranstaltungen mit dem traditionellen Walzer. Auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier oder Mitglieder der Übergangsregierung wie Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) oder Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) waren anwesend.

Unter die Gäste mischten sich neben Noweda-Boss Wilfried Hollmann auch der frühere Celesio-Chef Dr. Fritz Oesterle, DocMorris-Vorstand Olaf Heinrich, der Strategiechef der Versandapotheke, Max Müller, sowie Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli. Nach der Veranstaltung am Abend geht das Netzwerken am nächsten Morgen weiter: Am Samstag sponsert die Versandapotheke seit Jahren das Katerfrühstück im Haus der Bundespressekonferenz.

Auch in der Ball-Zeitschrift „Almanach“ zeigt DocMorris Flagge: Die Versandapotheke wirbt mit dem Slogan „Wir lassen uns nicht den Mund verbieten“ und zwei grünen Pflastern für ihr Geschäftsmodell.

„Seit 2000 treten wir für die Modernisierung des Gesundheitssystems ein“, schreibt DocMorris. Dazu gehörten Stärkung des Wettbewerbs bei Apothekendienstleistungen, Patientenindividuelles Medikationsmanagement und Sicherstellung der Versorgung im ländlichen Raum. „Und das sagen wir auch!“

Von wem DocMorris sich über den Mund gefahren fühlt, geht aus der Anzeige nicht hervor. Vermutlich will die Versandapotheke einmal mehr zurück in das Robin-Hood-Kostüm schlüpfen.

Um die Aussage rund zu machen, ist in der Anzeige außerdem eine Packung Hansaplast abgebildet. Neben dem blauen Karton steht: „Hilft! Nur nicht gegen Redefreiheit.“

Bei Beiersdorf ist man von der Reklame überrascht worden: „Uns ist die Anzeige nicht bekannt“, sagt eine Konzernsprecherin. Den Inhalt der Werbung wollte sie nicht kommentieren. „Die Anzeige muss in Eigeninitiative von DocMorris und ohne Absprache mit uns veröffentlicht worden sein.“

DocMorris ist nicht nur beim Bundespresseball, sondern auch auf Parteitagen präsent. Beim FDP-Bundesparteitag im Frühjahr in Berlin hatte die Versandapotheke etwa das Catering gesponsort.Die ABDA geht auf Wunsch der Kammern dagegen nicht mehr als Aussteller zu den Parteitreffen.

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