Nordrhein

Hausärztechef: Kein Problem mit DocMorris

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Berlin -

In Nordrhein fährt die niederländische Versandapotheke DocMorris mit dem dortigen Hausärzten am Apothekerverband vorbei eine gemeinsame Impfkampagne. In Kürze werden dort Info-Flyer mit dem DocMorris-Logo in den Arztpraxen ausliegen. Der Hausärzteverband wirbt bereits auf seiner Internetseite mit einem roten Laufband für die Kooperation. Der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) wurde von der Aktion überrascht und zeigt sich nun über die ungewöhnliche Zusammenarbeit verwundert.

Verbandschef Thomas Preis hat umgehend telefonisch beim Vorsitzenden des Hausärzteverbandes Niederrhein, Dr. Dirk Mecking, interveniert. Der hat ihn abblitzen lassen. „Dass der Hausärzteverband aktuell eine Marketingaktion vereinbart hat, bei der Hausarztpraxen als Kiosk für einen Internetversandhändler fungieren sollen, hat uns sehr verwundert. Wir haben daher unmittelbar nach Bekanntwerden dieser Aktion mit dem Hausärzteverband das Gespräch gesucht“, heißt es nun in einer Stellungnahme des Apothekerverbandes Nordrhein: „Diese Gespräche führen wir aktuell fort.“

Allerdings will der Apothekerverband die Aktion nicht überbewerten: Schließlich habe die Mitgliederversammlung des Verbandes Freier Berufe in Nordrhein-Westfalen vergangene Woche eine Resolution für ein Versandhandelsverbot mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auch mit Zustimmung der Ärzteschaft in Nordrhein-Westfalen einstimmig verabschiedet. „In der aktuellen politischen Diskussion ist das für uns entscheidend“, so die Stellungnahme.

Nach Angaben von Ärztechef Mecking kam die Zusammenarbeit mit DocMorris kurzfristig zustande. „DocMorris hat sich letzte Woche mit dem Vorschlag bei uns gemeldet“, so der Verbandschef. Man sei kurzfristig darauf eingegangen, „denn die Impfsaison läuft.“ Nach Bekanntwerden der Zusammenarbeit habe sich Preis telefonisch bei ihm gemeldet. Er habe ihm die Impfkampagne erläutert und auf Vorhaltungen geantwortet: „Sie haben sich seit Monaten nicht bei mir gemeldet.“

Nach Angaben Meckings soll die Flyer-Kampagne Ende November starten. Die Details der Zusammenarbeit stehen noch nicht fest. Es gebe zurzeit weder Entwürfe für den Flyer noch eine Vereinbarung über die Kostenverteilung. Dass die Patienten durch die Flyer auf die Möglichkeit der Impfstoffbestellung bei DocMorris hingewiesen werden, ist für Mecking kein Problem: „Schließlich gab es in den letzten Jahren in den Vor-Ort-Apotheken Lieferprobleme bei Impfstoffen.“

Nicht ausschließen will Mecking weitere Kooperationen mit DocMorris. Er habe keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen DocMorris. Die Impfaktion sei zunächst auf diese Saison befristet. Man werde die Zusammenarbeit bewerten und dann weitersehen. Konkrete Anschlussprojekte seien derzeit nicht geplant.

Ende vergangener Woche hatten DocMorris und der Hausärzteverband Nordrhein in einer gemeinsamen Erklärung eine „umfassende Aufklärungskampagne“ zur Grippeimpfung angekündigt. Rund 300.000 Patienten sollen mit Informationsbroschüren rund um das Thema Influenza informiert werden. „Hausärztinnen und Hausärzte sind bei Fragen rund um das wichtige Thema Impfen in der Regel der erste Ansprechpartner. Unser Ziel ist es, durch die gemeinsame Kampagne mit DocMorris einen Beitrag zu leisten, um die Impfquoten zu steigern. Diese Aufgabe kann kein Akteur alleine leisten, sondern es braucht eine gemeinsame Anstrengung von Ärzten, Vor-Ort-Apotheken und Versandapotheken“, kommentierte Mecking.

„Je weniger Menschen gegen die entsprechenden Krankheitserreger geimpft sind, desto größer die Gefahr einer Ausbreitung. Unsere Kooperation mit dem Hausärzteverband Nordrhein zeigt daher, wie Patientinnen und Patienten sektorübergreifend informiert werden können. Als Pharmazeuten können wir Ängste zu Wechsel- und Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten nehmen und so letztlich die Impfquote erhöhen", betonte Professor Dr. Christian Franken, Mitglied des Vorstands und verantwortlicher Apotheker bei DocMorris.

DocMorris und der Hausärzteverband berufen sich für ihre Kampagne auf das im Jahr 2015 verabschiedeten Präventionsgesetz. Damit wolle die deutsche Bundesregierung die Gesundheitsförderung direkt im Lebensumfeld der Menschen stärken und den Impfschutz in der Bevölkerung verbessern.

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