Arzneimittellagerung

Sensorist: Temperaturkontrolle digital APOTHEKE ADHOC, 25.03.2019 10:42 Uhr

Berlin - Ein dänisches Start-up plant, mit einem kleinen Gadget den deutschen Apothekenmarkt zu erobern. Sensorist hat einen digitalen Wärmesensor entwickelt, der die Temperaturführung in Echtzeit trackt und lückenlose Protokolle ermöglicht – alles per App und in der Cloud.

Was haben Apotheken und Weinkeller gemeinsam? In beiden muss die Temperatur stimmen. Während es sich beim Wein aber um eine Frage des Geschmacks handelt, ist in Apotheken gesetzlich festgeschrieben, welche Temperaturen wo herrschen dürfen. Einige Produkte dürfen bei Zimmertemperatur gelagert werden, aber nicht über 25 Grad. Denn § 4 Abs. 2d Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) schreibt vor, dass in der Offizin „eine Lagerhaltung unterhalb einer Temperatur von 25 °C“ möglich sein muss – wer sich an den vergangenen Hitzesommer erinnert, weiß, dass das eine Herausforderung sein kann. Bei anderen Arzneimitteln wiederum ist eine Aufbewahrung bei Kühltemperatur vorgeschrieben, also zwischen 2 und 8 Grad.

Manuelle Temperaturkontrollen in verschiedenen Bereichen der Apotheke können ein lästiges Muss sein, das Sensorist überflüssig machen will: Das 2012 gestartete Unternehmen verspricht Apothekern, ihnen die Arbeit abzunehmen. In Dänemark konnten sie das einem Unternehmenssprecher zufolge schon in 40 Prozent der dortigen Apotheken tun. Auch international verkaufe Sensorist zunehmend: In über 55 Länder wurde das kleine Gerät bereits verkauft, insgesamt 35.000 Stück. Allerdings nicht nur an Apotheken, sondern auch an Weinkeller, die Nahrungsmittelindustrie oder Gewächshausanlagen. Nun soll Deutschland an der Reihe sein. Zwei der sieben Mitarbeiter sind Deutsche, die Kunden für den hiesigen Markt akquirieren sollen.

25 Apotheken in Deutschland nutzen das System bereits, darunter die drei Frankfurter Apotheken von Inhaber Ismail Özel. Seine Mitarbeiter hätten vorher zwei bis drei mal am Tag ein Problem mit der Temperaturführung in den verschiedenen Lagerabschnitten erkannt, berichtet er. Die manuell erfassten Temperaturdaten seien stets gesammelt und dann in einer Excel-Tabelle ausgewertet worden. „Daran konnte die Apotheke Temperaturprobleme erkennen, wofür es aber manchmal schon zu spät war“, so Sensorist über Özel. Besonders relevant bei einem größeren Betrieb: Das Temperaturfenster kann am jeweiligen Standort eingestellt werden. Wird es in einem der Bereiche zu warm oder zu kalt, erhält der Zuständige eine Warnung auf das Handy oder per E-Mail.

Außerdem falle die Archivierung der Daten weg, weil diese automatisch in die Cloud geladen werden und auch per App abgerufen werden können. „Wenn Ihre Apotheke dann inspiziert wird, brauchen Sie nur die App und den darauf gespeicherten Temperaturverlauf vorzulegen“, erklärt der Unternehmenssprecher. Die Daten werden automatisch grafisch aufgearbeitet. Der Rhythmus der Messungen lässt sich einstellen: Zwischen einer und 180 Minuten Zeitabstand. Die Standardeinstellung sind 15 Minuten. Wer sich die Arbeit der Temperaturkontrolle sparen will, muss allerdings auch etwas in die Tasche greifen: 749 kostet das Sensorist-Paket im ersten Jahr und enthält neben dem Gerät auch den Zugang zur App. Ab dem zweiten Jahr fallen dann 329 Euro an. Für Bestandskunden gibt es dann allerdings einen Nachlass von 50 Euro.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Markt

Fentanyl-Buccaltabletten

Effentora bekommt Konkurrenz»

Dat Tran (Springer AI) bei VISION.A

Apothekenplattformen: „Anmelden alleine reicht nicht“»

Potenzmittel

BGH bestätigt Tadalafil-Generika»
Politik

Religionsfreiheit vs. Versorgungsauftrag

Streit um Pille danach: Kammer legt Berufung ein»

Ehemaliger SPD-Chef wechselt in Wirtschaft

Gabriel wird Aufsichtsrat bei Deutscher Bank»

Altmaier für Unternehmenssteuerreform

Rufe nach Steuersenkungen – Union und SPD uneins»
Internationales

Absprachen zu Generika

Pay-for-Delay: EuGH macht ernst»

Apothekenketten

Pessina: Nicht jede Apotheke wird überleben»

Lungenschäden

E-Zigaretten: Zahl der Toten steigt»
Pharmazie

Kollaterale Sensitivität

Resistenzen: Forscher legen Hinterhalt»

Schlafmittel

Neue Empfehlung: Hoggar ab 65+ nur noch auf Rezept»

Rote-Hand-Brief

Lemtrada: Anwendung wird weiter eingeschränkt»
Panorama

Eben noch Sprachkurs, schon Inhaber

Belfiore & Hasanbelli: Farmacia-Flair für Jesingen»

Bayer

Glyphosat-Streit für 10 Milliarden beilegen»

Corona-Virus

Lungenkrankheit: Wuhan baut Krankenhaus in 6Tagen»
Apothekenpraxis

ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Einbruch bei Bühler: Alle Gutachten weg!»

Dosierungsfehler bei Säuglingen

Otriven: Apotheker fordert Rückruf»

Apotheke schon aufgegeben

Unerwartete Rettung: Kunden lassen Apotheker nicht schließen»
PTA Live

Beratungstipps

Fresh-up: Trockene Augen »

Anpassung des Packmittels nach NRF

Tilray: Vollspektrum in neuer Verpackung»

Neue PTA-Schule in Rheinfelden

„Der Bedarf an PTA ist groß“»
Erkältungs-Tipps

Produktiver Husten

Auswurf: Wenn‘s gelb und grün wird»

Erkältungs-Tipp

Tot oder lebendig – Viren vs. Bakterien»

Erkältungs-Tipps

Wenn die Erkältung fortschreitet: Produktiver Husten»
Magen-Darm & Co.

Krebserkrankungen

Darmkrebs: 60.000 Neuerkrankungen pro Jahr»

Krebserkrankungen

Magenkrebs: Wenn die Mitte des Körpers erkrankt»

Von fremden Bakterienstämmen profitieren

Stuhltransplantation: Chancen für Kolitis-Patienten»
Kinderwunsch & Stillzeit

Erkältet in der Schwangerschaft

Der gewisse Push für das Immunsystem»

Schwangerschaftsrisiken

Eileiterschwangerschaft: Gefährliche Fehleinnistung»

Fitness in der Schwangerschaft

Mit Pilates durch die Schwangerschaft»