Stabilität von Arzneimitteln

Zu heiß in der Apotheke: Was passiert mit den Medikamenten? Deniz Cicek-Görkem, 02.08.2018 08:59 Uhr

Berlin - Nach der kurzzeitigen Schließung der Berliner Hauptbahnhof-Apotheke vergangene Woche stellt sich für Apothekenmitarbeiter die Frage, ob eine Überschreitung der empfohlenen Lagertemperatur zwingend mit negativen Folgen für die Stabilität der Arzneistoffe einhergeht. Sollten Medikamente, die mehrere Stunden oder Tage wärmer als üblich gelagert wurden, an Patienten abgegeben werden?

Seit Wochen schwitzt Deutschland, mancherorts sollen Temperaturen von rund 40 Grad erreicht worden sein. Zu viel für manche Menschen – aber auch für Arzneimittel. Denn aufgrund hoher Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit können sich die enthaltenen Wirkstoffe zersetzen, die zu einem Wirkungsverlust führen können. Aber auch die Bildung toxischer Zersetzungsprodukten ist möglich. Physikalisch kann es zu Ausfällungen oder zum Schmelzen des Wirkstoffs kommen.

Auch spielt es eine Rolle, ob sie nur kurz oder sehr lang hohen Temperaturen ausgesetzt waren. Die Reaktionsgeschwindigkeit einer Zersetzung hängt unter anderem von der Temperatur ab. Bei einer Temperaturerhöhung um 10 Grad kann sich die Reaktionsgeschwindigkeit verdoppeln bis verdreifachen. Tückisch ist in diesem Zusammenhang, dass Zersetzungen nicht immer sichtbar sein müssen.

Die genannten Folgen können nicht nur bei Wirkstoffen, sondern auch bei Hilfsstoffen auftreten. Beispielsweise können die in Salbengrundlagen enthaltenen Fettsäuren und ätherische Öle temperaturempfindlich sein. Bei hohen Temperaturen kann auch hier die Qualität leiden und es zu einer Phasentrennung kommen. Bei Pflastern kann sich unter Wärmezufuhr die Klebemassen verändern, was sich ungünstig auf die Klebeeigenschaften auswirken kann. Bei wirkstoffhaltigen Pflastern besteht zudem die Gefahr einer Veränderung der Freisetzungsrate: Durch Wärmeeinwirkung kann es dazu kommen, dass der Wirkstoff schneller als vorgesehen freigesetzt (dose dumping) und über die Haut aufgenommen wird. Folglich ist eine Überdosierung möglich. Bei opioidhaltigen Pflastern kann das sogar lebensbedrohlich sein. Ein weiteres Beispiel ist Acetylsalicylsäure: Die Substanz zersetzt sich bei Luftfeuchtigkeit und Wärme; es entsteht Essigsäure.

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