Schmidhubers Geschenk an die Menschheit

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Berlin - Es ist nichts geringeres als „das größte Thema unserer Zeit“, sagt Professor Dr. Jürgen Schmidhuber: Künstliche Intelligenz. Während schon die Funktionsweise heutiger KI-Anwendungen für die meisten Durchschnittsverbraucher ein Buch mit sieben Siegeln ist, prophezeit Schmidhuber bei der Digitalkonferenz VISION.A von APOTHEKE ADHOC bereits völlig neue Dimensionen technologischer Entwicklung.

„Als wir damals mit den rekurrenten Netzwerken angefangen haben, hat sich niemand dafür interessiert, nicht mal die Experten“, erinnert sich Schmidhuber an die Anfänge seiner Arbeit. Heute sind seine Entwicklungen Teil des Alltags für so gut wie jeden Menschen auf der Welt. Denn einige der wichtigsten Schlüsseltechnologien überhaupt gehen auf Erfindungen des gebürtigen Münchners zurück: tiefe Neuronale Netzwerke, Deep Learning, Long Short-Term Memory (LSTM) – oder für Laien: moderne Künstliche Intelligenz (KI). Von Google Maps über Siri bis Google Translate finden Schmidhubers Entwicklungen überall Anwendungen.

Allein der Übersetzungsbutton bei Facebook wird weltweit 50.000 mal pro Sekunde benutzt. Schmidhuber verdient daran: nichts. Seine 1997 erstmals als wissenschaftliche Arbeit publizierte LSTM sei „ein Geschenk an die Menschheit“ sagt er. „Jeder kann sich das herunterladen und frei verwenden.“ Man solle sich nicht der falschen Vorstellung hingeben, dass KI nur aus den USA oder China komme – die wichtigsten Entwicklungen in dem Bereich kommen aus dem deutschsprachigen Raum, bis heute lägen beispielsweise die meisten Patente, die für autonomes Fahren notwendig sind, in Deutschland.

Aber Schmidhuber denkt bereits viel weiter als „nur“ bis zu selbstständig fahrenden Autos, er denkt schon an die nächste Stufe von KI und deren Auswirkungen auf unsere Welt: Bisher besteht KI vor allem aus passiver Mustererkennung. Mit Daten gefütterte Algorithmen können anhand der schieren Masse Muster erkennen und so selbstständig lernen, Aufgaben zu erledigen. Allein das hat schon weltweit Wertschöpfungsketten revolutioniert. „Die größten Profite durch KI werden heute in Marketing und Werbung generiert“, erklärt er. „Dieser Bereich macht nur ein Prozent der Weltwirtschaft aus – das reicht aber schon, um diese Firmen zu den wertvollsten der Welt zu machen: Facebook, Tencent, Alibaba.“

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