Sparpläne treffen Homöopathie-Hersteller

Hevert fordert „ideologiefreie Arzneimittelpolitik“

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Berlin -

Der geplante Wegfall der Erstattung von homöopathischen Arzneimitteln stößt bei den Herstellern auf Gegenwehr. Betroffene Unternehmen warnen vor einer Gefährdung der Therapievielfalt. Das Vorhaben sei „ungerecht und inkonsequent“. 

Die Finanzkommission empfiehlt, Homöopathie und Anthroposophie aus der Erstattungsfähigkeit zu nehmen. Bei den Kassen könnten ab 2027 rund 40 Millionen Euro eingespart werden, hieß es. Mathias Hevert lehnt dies ab: „Die inhaltliche Begründung des Entwurfs verkennt die wissenschaftliche und rechtliche Realität.“

Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen wie Phytopharmaka, Homöopathika und anthroposophische Arzneimittel seien ein anerkannter Bestandteil des deutschen Arzneimittelrechts und erfüllten nicht nur hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards, sondern fänden in der Bevölkerung nachweislich breite Akzeptanz, sagt er. Darüber hinaus zählten die positiven Erfahrungen von Patientinnen und Patienten sowie von Heilberuflern mit Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen zu den Säulen evidenzbasierter Medizin.

Therapiefreiheit für Heilberufe

Außerdem verweist er darauf, dass die Streichung „faktisch keinen nennenswerten Beitrag zur Beitragssatzstabilität“ leiste, da der Anteil der Produkte lediglich 0,03 Prozent der GKV-Gesamtausgaben ausmache. „Der finanzielle Einspareffekt ist marginal, während Verlagerungen hin zu kostenintensiveren Behandlungen wahrscheinlich sind“, so Hevert, dessen Unternehmen unter anderem Calmvalera vertreibt.

„Vielmehr gefährdet der Entwurf sowohl die Patientenwahlfreiheit als auch die Therapievielfalt, die elementarer Bestandteil einer resilienten Gesundheitsversorgung sind.“ Die Politik müsse „zu einer ideologiefreien Arzneimittelpolitik zurückzukehren, die die Therapiefreiheit der Heilberufe achtet, Patientinnen und Patienten nicht durch den Entzug bewährter Versorgungsangebote benachteiligt und für Arzneimittelhersteller Planungssicherheit gewährleistet.“

Kritik von Heel

Auch Heel (Traumeel, Neurexan) kritisiert die Pläne der Bundesregierung: „Das Vorhaben ist ungerecht und inkonsequent“, sagt eine Unternehmenssprecherin. „Andere OTC-Arzneimittel mit teilweise schlechterer Evidenzlage, etwa traditionelle pflanzliche Arzneimittel, und Leistungen wie Feldenkrais, Shiatsu, Chiropraktik, Kinesio-Taping und so weiter, dürfen dagegen weiterhin als Satzungsleistung erstattet werden.“

Homöopathische Arzneimittel würden gezielt schlechter behandelt als andere Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen, andere OTC-Arzneimittel sowie weitere Leistungen. „Eine solche Ungleichbehandlung ist nicht nachvollziehbar. Sie stößt die zahlreichen Patienten, Ärzte und Apotheken vor den Kopf, die homöopathische, apothekenpflichtige Arzneimittel seit Jahrzehnten erfolgreich einsetzen.“ Wenn „Evidenz” als Kriterium für die Satzungsleistungen definiert werde, dann habe dies auch in gerechter Art und Weise zu erfolgen.

Auch Weleda und die Deutsche Homöopathie Union (DHU) hatten die Pläne kritisiert.

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