Phoenix kauft Celesio-Erbe

Da waren's nur noch zwei

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Berlin -

Phoenix kauft das Europageschäft von McKesson ­– und damit geht eine Ära zu Ende. Seit den 1990er-Jahren hatten drei internationale Pharmahandelskonzerne den europäschen Markt unter sich aufgeteilt: erst als Großhändler und dann auch mit eigenen Apothekenketten. Seit Jahren gab es Gerüchte, die auf ein Duopol hindeuteten. Jetzt ist es soweit.

Celesio, Phoenix, Alliance: Drei Jahrzehnte lang bauten drei Pharmahandelskonzerne ihr Geschäft im europäischen Markt durch Übernahmen immer weiter aus. Hinter Celesio stand der Haniel-Clan, hinter Phoenix die Merckle-Familie, hinter Alliance der Italiener Stefano Pessina. Alle drei Konzerne teilten dieselbe Strategie ­– nämlich sich nicht mit der Rolle als Großhändler zufrieden zu geben: Das margenschwache Logistikgeschäft sollte auf lange Sicht nur die Plattform für die eigenen Apothekenketten werden.

Während Phoenix die Befindlichkeiten der Apotheken kannte und im Geheimen agierte, spielte Pessina den Arglosen („Ich bin kein Fan von Apothekenketten“) und spann sein schließlich weltweites Netzwerk. Celesio versuchte es auf die radikale Tour und kaufte DocMorris. Als der Europäische Gerichtshof (EuGH) der Sache am 19. Mai 2009 einen Riegel vorschob, fand die Wachstumsstory ein jähes Ende.

2013 trennte Haniel sich von Celesio – Käufer war der US-Pharmagroßhändler McKesson. Jenseits des Atlantiks hatte man den europäischen Markt für sich entdeckt, was umgekehrt genauso galt: Kurz darauf fusionierte Alliance mit der Apothekenkette Walgreens zu Walgreens Boots Alliance (WBA) und stieg beim Großhändler AmerisourceBergen (ASB) ein. Nur Phoenix und der dritte US-Großhändler Cardinal Health fanden nicht zueinander.

Doch schon der Einstieg von McKesson bei Celesio stand unter keinem guten Stern: Erst wurde die Annahmeschwelle aus unerklärlichen Gründen knapp verpasst, dann stellte sich auch noch der aktivistische Investor Paul Singer quer. Doch auch nachdem die Sache endlich über die Bühne war, erfüllten sich die Hoffnungen auf Wachstum und Ertrag nicht. So verloren die Amerikaner zunehmend die Lust am europäischen Markt – zumal ihnen Pessina in den USA auch noch Großkunden abspenstig machte.

Doch auch Pessina war noch nicht zufrieden. Immerhin hatte er schon in den 1980er Jahren erklärt, dass er der weltweite König der Arzneimittel werden wolle. Auch wenn der Fußabdruck mit 13.000 eigenen Apotheken gewaltig war – so richtig passte der Schuh in Europa noch nicht. So tauchten vor einigen Jahren Gerüchte auf, dass er mit den Konkurrenten über eine Aufteilung des Marktes verhandele: Wenn er Phoenix bekäme, würde er seine bisherigen Aktivitäten in Europa an McKesson abgeben. Eine gewisse Logik hatte das Angebot: Immerhin hatte die Merckle-Familie nach dem Beinahe-Zusammenbruch ihres Imperiums Phoenix vor allem deswegen behalten, weil Teva für Ratiopharm einfach ein zu gutes Angebot gemacht hatte.

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