Walgreens Boots verkauft Alliance

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Berlin - Stefano Pessina ordnet sein Imperium neu: Walgreens Boots Alliance (WBA) verkauft sein Großhandelsgeschäft an seinen Partner AmerisourceBergen (ASB). Im Gegenzug baut der Kettenkonzern sein Aktienpaket am US-Großhändler weiter aus. Das Deutschlandgeschäft ist nicht Teil des Deals.

ASB zahlt für das weltweite Großhandelsgeschäft von WBA 6,5 Milliarden US-Dollar, davon 6,275 Milliarden Dollar in bar und den Rest in Form von 2 Millionen Aktien. Nicht betroffen sind die Aktivitäten in Italien, China und Deutschland. Hier könnten wettbewerbliche Erwägungen eine Rolle gespielt haben: WBA hat sein deutsches Großhandelsgeschäft gerade in ein Gemeinschaftsunternehmen mit McKesson eingebracht – einem von zwei Konkurrenten von ASB im US-Markt.

Bereits seit 2013 sind ASB und WBA verbündet: Zehn Jahre lang sollte ASB als Großhändler alle Walgreens-Filialen beliefern, im Gegenzug wollte man sich die Einkaufsvorteile bei der Industrie teilen. Um den Bund zu besiegeln, stieg WBA damals als Aktionär bei ASB ein, zunächst mit 7 Prozent. Mittlerweile ist Pessinas Konzern mit 30 Prozent der größte Aktionär. Die Liefervereinbarung für Walgreens wurde nun bis 2029 verlängert, auch die Boots-Filialen sollen bis 2031 von ASB/Alliance beliefert werden.

Pessina hat damit um Walgreens und Boots nicht nur die größte Apothekenkette der Welt aufgebaut, sondern mit ASB/Alliance auch den weltweit führenden Pharmagroßhändler. „Dieser Deal wird beiden Unternehmen eine signifikante Wertschöpfung ermöglichen und zusätzliche Synergien generieren. Dies ist ein logischer Schritt nach dem Erfolg unserer langfristigen strategischen Beziehung zu AmerisourceBergen, das seit 2013 ein starker und vertrauenswürdiger Partner ist“, so Pessina. Die Transaktion werde Investitionen in Wachstum und Transformation im Kerngeschäft mit Apotheken ankurbeln und sei für WBA-Aktionäre langfristig ein Gewinn.

Steven Collis, CEO von ASB, freut sich, die nun als Großhändler global aufgestellt zu sein. „Ich freue mich darauf, unsere erfolgreiche Partnerschaft mit der WBA auszubauen und auszubauen und das Team von Alliance Healthcare bei ASB willkommen zu heißen.“

Erklärtes Ziel ist es nach Konzernangaben, dank der Präsenz auf beiden Seiten des Atlantik weitere Einkaufsvorteile zu generieren. Es ist kein Geheimnis, dass Pessina mit WBA von Anfang an ein Gegengewicht zu den international aufgestellten Pharmakonzernen aufbauen wollte: „Größe ist – neben Profitabilität – in ökonomischer Hinsicht sehr wichtig, vor allem wenn es um die Beziehung zu Lieferanten und den Einkauf geht“, sagte Pessina 2010 im Interview mit APOTHEKE ADHOC. Und an anderer Stelle: „Ich habe immer geglaubt, dass insbesondere das Großhandelsgeschäft Global Player benötigt, weil die Pharmaindustrie global aufgestellt ist. Ich war überrascht, dass der Markt keinen globalen Pharmahändler hat.“ Schon vor Jahren hat sein Konzern im schweizerischen Zug eine Einheit aufgebaut, die der Industrie Rückvergütungen für ihren weltweit größten Kunden abringen soll.

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