Bericht: Walgreens bald ohne Boots

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Berlin -

Walgreens Boots Alliance (WBA) könnte einem Medienbericht zufolge die britische Tochter Boots für einen Milliardenbetrag verkaufen. Die Investmentbank Goldman Sachs solle die Optionen für Boots prüfen, was auch zu einer Veräußerung der 172 Jahre alten Kette führen könnte, berichtete der britische Wirtschaftssender „Sky News“ am Freitagabend unter Berufung auf nicht näher spezifizierte Quellen.

Dabei könnte Boots insgesamt mit bis zu 5 Milliarden britischen Pfund (5,9 Milliarden Euro) bewertet werden. Auch eine Abspaltung mit einem anschließenden Börsengang sei eine Option. Boots betreibt eigenen Angaben zufolge mehr als 2300 Geschäft, von Apotheken bis hin zu Parfümerien.

Die Aktien von WBA zogen auf die Nachricht hin an. Sie kletterten an der Spitze des US-Leitindex Dow Jones Industrial um fast 4 Prozent. Der Konzern hat gerade angekündigt, den deutschen Großhändler Alliance Healthcare Deutschland (AHD) komplett zu übernehmen. Anfang 2021 hatte WBA die Großhandelsaktivitäten an die Schwesterfirma AmerisourceBergen (ABC) übertragen und dafür insgesamt 6,5 Milliarden Dollar kassiert.

Boots ist eigentlich integraler Bestandteil von WBA: Die Ursprünge des weltgrößten Apothekenkonzerns reichen bis ins Jahr 1973 zurück. Damals hängte Konzernchef Stefanp Pessina seinen Job beim Marktforschungsunternehmen AC Nielsen an den Nagel und stieg beim Pharmagroßhandel seines Vaters in Neapel ein. Eigentlich hatte er Nukleartechnik studiert, doch das Image der Kernenergie verschlechterte sich in jenen Jahren zusehends. Also fasste Pessina ein neues Lebensziel ins Auge: Nicht weniger als der König der Arzneimittel wollte er werden.

1977 gründete er die Alleanza Farmaceutica mit zunächst zehn Niederlassungen. 1982, Pessina war noch ein regionaler Anbieter, gründete die Apothekerin Ornella Barra in Genua den Großhändler Di Pharma. Nach der Fusion 1986 wurde Alleanza restrukturiert. Jeden Monat eröffnete eine neue Niederlassung. Ab 1988 kooperierte Alleanza mit verschiedenen Großhändlern in Frankreich. Aus dem Verbund ERPI wurde 1991 Alliance Santé.

1997 folgte die Fusion mit dem britischen Großhändler UniChem. Im Sommer 2005 lud Pessina die Chefs der Drogeriekette Boots auf seine Yacht vor Sardinien. Ein Jahr später stand der Deal: Pessina, Barra und Boots-Chef Richard Baker fusionierten die Unternehmen. 2010 wurde die Anzag übernommen und in Alliance Healthcare Deutschland (AHD) umbenannt. Im Sommer 2012 fädelte Pessina die Fusion mit der US-Apothekenkette Walgreens ein. Zum Jahreswechsel 2014/15 stand der Gemeinschaftskonzern, kurz darauf holte Pessina den Großhändler ABC an seine Seite.

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