CBD: UN stuft Cannabis herab

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Berlin -

Bei den CBD-Herstellern dürften heute wieder die Sektkorken knallen. Zwei Wochen nach dem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Beurteilung von CBD ist nun der von den Herstellern erhoffte Fall eingetreten: In Wien hat die Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen (Commission on Narcotic Drugs, CND) Cannabis im Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel herabgestuft. Direkte rechtliche Auswirkungen hat die Neueinstufung nicht, aber Experten gehen von weitreichenden Folgen für den internationalen Handel mit CBD- und Cannabisprodukten sowie künftigen nationalen Regulationen aus.

Bisher machte das UN-Betäubungsmittelabkommen keinen Unterschied zwischen Heroin und Cannabis: Beide Rauschmittel waren – entgegen der mittlerweile hinreichend belegten Unterschiede in ihrer Gefährlichkeit – in der Anlage 4 des Abkommens gelistet. Genau das wollte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit zwei Jahren ändern: Bereits Ende 2018 hatte eine wissenschaftliche WHO-Arbeitsgruppe der UN empfohlen, sowohl CBD als auch THC im Einheitsabkommen neu zu klassifizieren. Die WHO kam dabei zu dem Schluss, dass die gleiche Eingruppierung nicht gerechtfertigt sei. Nicht nur sei das Suchtpotential und die Gesundheitsgefährdung durch Cannabis weitaus geringer, vielmehr sei ein überwiegender medizinischer Nutzen der Pflanze belegt. Der medizinische Gebrauch der Cannabispflanze müsse durch eine Herabstufung erleichtert werden, so die Wissenschaftler.

Sie forderten deshalb eine Neueinstufung von Marihuana und Haschisch in die niedrigste Kategorie, die Anlage 1. Am Mittwoch nun stimmten die 53 Unterzeichnerstaaten des Abkommens in Wien über den Vorschlag ab – und das Ergebnis war knapp: 27 der 53 Vertragsunterzeichnerstaaten stimmten für die Änderung, 25 dagegen, einer enthielt sich. Die WHO-Empfehlung, aus der Cannabispflanze gewonnene Extrakte und Tinkturen ganza aus dem Abkommen zu werfen, übernahm der CND hingegen nicht. Für sie sprachen sich nur 24 Staaten aus, während 27 mit Nein stimmten und zwei sich enthielten. Deutlicher zurückgewiesen wurde auch die WHO-Empfehlung, CBD-Präparate mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent ganz aus dem Einheitsabkommen zu werfen. Hierfür sprachen sich nur sechs Staaten aus, 43 waren dagegen, vier enthielten sich.

„Der Trend zu medizinischem Cannabis hat in den vergangenen Jahren bereits stetig an Fahrt aufgenommen, aber diese Entscheidung wird ihm neuen Schub verleihen“, zitiert das Fachportal Marijuana Business Daily Martin Jelsma, Experte für Drogenpolitik beim niederländischen Thinktank Transnational Institute. „Vor allem für die Länder, die in ihrer nationalen Drogenpolitik im Wesentlichen die Beschlüsse der UN spiegeln, dürfte das dazu führen, dass auch dort Restriktionen und Hindernisse für den Cannabisgebrauch zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken abgebaut werden.“

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