Bis minus 80 °C: Wer soll Corona-Impfstoff liefern?

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Berlin -

Je näher der Zeitpunkt für die Zulassung eines Corona-Impfstoffs rückt, umso mehr tritt die Frage der Verteilung in den Vordergrund. Auf die Logistikbranche kommt eine besondere Herausforderung zu: Die neuen RNA-Impfstoffe müssen tiefgekühlt gelagert und transportiert werden. Die Hersteller fordern Temperaturen von minus 20 bis minus 80 Grad, um die chemische Stabilität zu gewährleisten. Dass kann der Arzneimittelgroßhandel aus dem Stand nicht leisten. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters stehen auch die Deutsche Post sowie ihre Rivalen FedEx und UPS in den Startlöchern.

In Deutschland sind nur wenige Logistiker in der Lage, tiefgekühlte Produkte zu lagern und bis zur letzten Meile zu transportieren. Die Deutsche See als Fischlieferant mit ihren bundesweiten Verteilzentren gehört ebenso dazu wie die Logistiker in der Tierzucht: Tiersperma muss ebenfalls tiefgekühlt, teilweise in mit Flüssigstickstoff gekühlten Behältnissen transportiert werden.

Doch auch bei der globalen Verteilung müssen viele Herausforderungen gemeistert werden, um den Impfstoff rasch und vor allem sicher an die Menschen zu bringen. „Wir rechnen mit zehn Milliarden Impfdosen, die über die ganze Welt verteilt werden müssen – und damit auch in Gebiete, in denen es nicht alle fünf Kilometer eine Autobahnabfahrt gibt“, beschreibt Katja Busch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters die Aufgabe. Sie muss es wissen, denn als Chief Commercial Officer bei DHL betreut sie Kunden etwa aus der Pharmaindustrie.

Ein Problem könne die Temperatur werden, unter der ein neues Mittel geliefert werden muss. „Normalerweise werden Impfstoffe bei zwei bis minus acht Grad gelagert und transportiert“, berichtet Busch. „Für die neuen Technologien – wie etwa die RNA-Technik – gibt es noch keine validen Stabilitätsdaten.“ Auf dieser Methode, die Ribonukleinsäure (RNA) als Botenstoff benutzt, basieren etwa die Impfstoff-Kandidaten der Partner Biontech und Pfizer sowie von Curevac aus Tübingen. Um auf der sicheren Seite zu sein, forderten die Hersteller, dass die Impfstoffe in einer Spannbreite von minus 20 bis minus 80 Grad zu transportieren seien. Solche Vorgaben könnten über die gesamte Lieferkette hinweg nötig werden.

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