Ältere oder medizinisches Personal?

Corona-Impfstoff: Wer darf zuerst?

, Uhr
Berlin -

Noch ist kein Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen. Wie viele Markteinführungen es in den kommenden Wochen tatsächlich geben wird, ist noch ungewiss. Dennoch muss die Politik sich mit der Frage beschäftigen, welche Personengruppen zuerst von der Vakzine profitieren sollen. Ethisch gesehen ist das eine kritische Frage mit mehreren möglichen Szenarien.

Noch nie wurde weltweit mit solchem Hochdruck an einem Impfstoff geforscht. Unternehmen und Forschungsinstitute werfen alles in den Ring, was sie an Personal und Ressourcen haben. Laut Pharmaverband VfA sind bereits über 170 Impfstoffprojekte quer über den Globus angelaufen. Eine Handvoll Impfstoffe befindet sich der in der Phase III. Anfang nächsten Jahres rechnen Experten mit der Zulassung von mehreren Impfstoffen. Spätestens dann wird sich die Frage stellen, wer die ersten Dosen erhalten wird.

Um gut vorbereitet zu sein, stellen sich Menschen weltweit die Frage nach einer fairen Verteilung. Ein Team von internationalen Ethikern hat nun ihren Ansatz im Fachjournal „Science“ veröffentlicht. Das dreistufige Modell hat vorrangig das Ziel, möglichst viele Todesfälle und Spätfolgen von schweren Verläufen zu verhindern. „Fair Priority“ haben die insgesamt 19 Ethiker um den Mediziner Ezekiel Emanuel von der University of Pennsylvania ihr Modell getauft. Im Fokus steht nicht die Wirtschaft oder die Bildung, sondern die Moral. Der Kerngedanke des Modells ist, dass durch eine faire Verteilung ein Nutzen für die gesamte Menschheit entsteht und keine Personengruppen benachteiligt werden. Ein Augenmerk liegt im ersten Schritt auf den eher benachteiligten Menschen.

Dementsprechend widerspricht der ethische Ansatz dem der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese spricht sich aktuell ganz klar für eine Priorisierung von medizinischem Personal aus. Im ethischen Ansatz der Forschergruppe steht in der ersten Phase zunächst die Vermeidung von vorzeitigen Todesfällen und gesundheitlichen Spätfolgen im Mittelpunkt. In der nächsten Phase soll es um die gesamtwirtschaftliche Verbesserung gehen. Hier geht es darum, dass Personen durch eine Impfung nicht in die Armut rutschen. In der letzten Stufe sollen die Länder bevorzugt werden, die eine hohe Übertragungsrate aufweisen. Damit eine zu schnelle Übertragung auch in diesen Ländern gestoppt werden kann, gehen die Ethiker davon aus, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung eine Immunität aufweisen müssten.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Umlautprobleme und Botendienstsorge
E-Rezept: Vor- und Nachteile in der Praxis»
Ärzt:innen warnen vor Zwangseinführung
KV Hessen: Resolution gegen das E-Rezept»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»