Tödlicher Abgabefehler: Apothekerin verurteilt

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Berlin -

In der Schweiz mussten sich gestern eine Apothekerin und ein Arzt wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Sie hatten einer Patientin ein Antibiotikum verschrieben beziehungsweise abgegeben, auf das sie allergisch war. Kurz darauf verstarb die Mutter zweier Kinder an einem anaphylaktischen Schock. Der Arzt habe es nicht besser wissen können, entschied das Gericht und sprach ihn frei. Für die Apothekerin gelte das nicht, sie wurde schuldig gesprochen.

Eigentlich war die 52-Jährige aus der Schweizer Gemeinde Menziken nur erkältet. An jenem Tag im Mai 2015 wollte sie mit ihrer Schwester schwimmen gehen. Da es ihr nicht so gut ging, fuhr sie aber stattdessen zu ihrem Hausarzt, der ihr das Antibiotikum Cefuroxim verschrieb. Das holte sie sich direkt danach in der Apotheke ab und nahm wie vorgeschrieben nach dem Essen eine Tablette. Kurz darauf wurde ihr schlecht, sie musste sich übergeben und verlor das Bewusstsein. Ihr Sohn rief den Krankenwagen. Ihre Schwester packte direkt den Pyjama ein und beeilte sich, nach Aarau ins Krankenhaus zu kommen. „Wie man das halt so macht“, sagte sie dem lokalen Fernsehsender TeleM1. „Auf dem Gang habe ich mich nach ihr erkundigt. Da wurde mir gesagt, es tue ihnen leid, sie hätten nichts mehr für sie tun können.“ Der Obduktionsbericht lässt keine Zweifel: Als Auslöser für die allergische Reaktion kommt nur das Cefuroxim infrage.

Damit sind Arzt und Apotheker im Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft. Sie hätten wissen müssen, dass die Frau hochempfindlich auf das Antibiotikum reagieren würde. Die Allergie sei seit Jahren bekannt gewesen und in mehreren Krankenhausberichten erwähnt worden. Trotzdem hatte der Arzt ihr das Rezept ausgestellt. Die Apothekerin wiederum, die am Tag der Abgabe als Stellvertretung der Inhaberin gearbeitet hatte, hätte es ebenso wissen müssen, denn die Allergien der Frau waren im Computersystem der Apotheke hinterlegt.

„Die Apothekerin musste die Situation nachspielen, und wie es scheint, hätte sie auf dem Bildschirm einen Text mit einem Code, der die Allergie zeigte, wegdrücken müssen. Dies hat sie anscheinend nicht gemacht oder ignoriert“, zitiert die Aargauer Zeitung die Schwester der Verstorbenen. „Achtung/Attention: Allergie auf Penicillin, Sorbinsäure, Mephadolor NEO, Cefuroxim, Diclofenac“, stand laut Anklage in dem Warnhinweis.

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