„Wenn der Apotheker mal weg muss“

Änderungsantrag: PTA-Vertretung wackelt

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Berlin -

Die geplante PTA-Vertretung stößt auf Kritik – nicht nur bei Apotheker:innen, sondern auch bei der Politik. Ein noch nicht veröffentlichter Änderungsantrag zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sieht nun nur noch eine kurzzeitige Vertretung vor – „wenn der Apotheker eben mal weg muss“.

Geplant war ursprünglich eine begrenzte PTA-Vertretung von maximal 20 Tagen im Jahr, davon zusammenhängend höchstens zehn Tage, an denen die Apotheke dienstbereit ist. Dies sollte nur für Apotheken möglich sein, in denen vertretungsbefugte PTA bereits ohne Beaufsichtigung arbeiten und nicht für spezialisierte Apotheken wie Zytostatikaherstellung gelten. Zudem sollte ein Curriculum für die Weiterqualifizierung von der Bundesapothekerkammer (BAK) festgelegt werden, nach dem PTA eine zweijährige berufsbegleitende Weiterqualifizierung absolvieren sollten. Geregelt war dies in § 2 Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO).

Doch dann wurde im Kabinettsentwurf nachgebessert. Die Vertretungsmöglichkeit wurde auf Apotheken im ländlichen Raum begrenzt – weiterhin für maximal 20 Tage im Jahr. Neu sind eine Erprobungsphase und eine Genehmigung, die jetzt im neuen § 29 Apothekengesetz (ApoG) verankert werden sollen. Doch auch der Vorschlag stieß auf Kritik. Die Abda lehnt die PTA-Vertretung vehement ab und fürchtet zudem ein Einfallstor für den Fremdbesitz.

PTA-Vertretung „für zehn Minuten“

Im Interview mit Adexa-Vorstand Andreas May, brachte Dr. Stephan Pilsinger, Berichterstatter für Apotheken der Unionsfraktion einen neuen Vorschlag ins Spiel. „Wir werden eine Regelung beschließen, nach der die PTA kurz alleine in der Apotheke stehen kann, wenn der Apotheker eben mal weg muss, allein um den Laden wegen zehn Minuten Abwesenheit des Chefs nicht zuschließen zu müssen“, so Pilsinger. „Das bekommt jede PTA hin. Und wenn in genau diesen zehn Minuten doch mal spezielle Nachfragen zum Beispiel zu Wechselwirkungen da sind, dann wartet man halt kurz, bis der Apotheker wieder da ist. Mehr ist das gar nicht.“

Das Thema sei Gegenstand eines noch nicht veröffentlichten Änderungsantrags. Einzelheiten konnte Pilsinger derzeit mit Blick auf die noch nicht abgeschlossenen Beratungen nicht verraten.

Dass die PTA-Vertretung angepasst werden müsse, hatte Pilsinger im März im APOTHEKE LIVE deutlich gemacht. Bei der PTA-Vertretung müssten kleine Details wie der Zeithorizont und die Kilometergrenze nachgebessert werden, um Einfallstore auszuschließen. Zudem wollten viele PTA keine „Ersatzvertretung“ spielen. Analog zu Physician Assistent bei MTA sei eine entsprechende Weiterqualifikation auch für PTA denkbar.

„Es muss eine Möglichkeit der Weiterentwicklung für PTA in Apotheken geben. Es darf nicht sein, dass die Vertretungsregelung ein Einfallstor für dm und Rossmann öffnet.“ Die Vertretung des Apothekers im Urlaub ist für Pilsinger jedoch okay. Aber: „Keine Hausarztpraxis ohne Arzt und keine Apotheke ohne Apotheker.“

Mögliche Kompetenzerweiterungen wären Impfaufgaben von entsprechend geschulten PTA oder auch pharmazeutische Dienstleistungen (pDL). Aber nicht alle PTA wollten sich weiterqualifizieren oder vertreten – dies solle keine Verpflichtung werden.

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