Tauschexperiment: Plötzlich arm – in der Apotheke

, Uhr
Berlin -

Dr. Christopher Hermann ist eine lebende Legende: Als zänkischer AOK-Rabattchef hat er die Generikaindustrie gebrochen – oder wie es der heutige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einst ausdrückte: die Zitrone ausgepresst. Dass man ihm nach zehn Jahren Limonen-Limbo nun ein paar tausend Euro mehr nicht gönnt, ist doch ein Unding. Um wieder sicherer im Umgang mit kleinen Beträgen zu werden, macht er beim Sat.1-Tauschexperiment „Plötzlich arm, plötzlich reich“ mit.

Mit seinem Gehalt von 260.000 Euro gehört Hermann zu den Topverdienern unter den Kassenchefs. Was ihm zu seinem Glück noch fehlt, wäre eine automatische Anpassung. 5000 Euro mehr pro Jahr, das findet sein Verwaltungsrat eigentlich angemessen. Sind ja nicht mehr als 2 Prozent. Leider spielt das Wirtschaftministerium als Aufsichtsbehörde nicht mit. Wird doch keine Retourkutsche sein? Der Fall geht jetzt vor das Bundessozialgericht (BSG).

Um in Kassel nicht als abgehobener Kassenkrösus dazustehen, der nur noch Millionen und Milliarden sieht, hat sich Hermann etwas einfallen lassen. Sieben Tage lang will er sein Leben publikumswirksam mit jemandem eintauschen, der am anderen Ende des sozialen Spektrums steht. Ein AOK-Versicherter? Zu durchschaubar. Eine Pflegekraft? Zu anstrengend. Kassierer bei Lidl? Zu eintönig. Lieber jemand, der trotz guter Ausbildung, hoher Verantwortung und langen Arbeitszeiten mit wenig Geld nach Hause kommt.

Die Idee mit der Apotheke hatten die Reporter vom Fernsehen. 2600 Euro plus ÖPNV-Ticket versus 260.000 Euro plus Dienstwagen, das würde sich doch gut gegenüber stellen lassen. Und irgendwann war auch klar, dass man in Sachsen würde drehen müssen. Kein Tarifvertrag, nur 95 Prozent des bundesweit ausgehandelten Gehalts, seit zwei Jahren stagnierende Löhne. Perfekt. Gedreht werden soll kurz vor Weihnachten in der Odler-Obodäge [Adler-Apotheke] in Zschopau im Erzgebirge.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots»