Notdienst

Ein Königreich für ein Apothekenschild!

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Berlin -

Eigentlich könnte sich Apotheker Johannes Zeise-Wallbrecher aus München über seine gute Altstadt-Lage freuen. Tagsüber gilt das auch. Aber nachts irren die Menschen oft durch die Gässchen, auf der Suche nach der Notdienst-Apotheke. Ein Schild mit Hinweis auf die Klösterl-Apotheke würde helfen, der Apotheker darf aber keines aufstellen. Kunden beschimpfen ihn deswegen auch noch.

In der Tageszeitung tz klagt der verzweifelte Apotheker sein Leid: „Die Kunden finden meine Apotheke nicht.“ Er residiert mitten in der Stadt und ist gleichzeitig fast unsichtbar. Seine Apotheke liegt im Färbergraben, ein bisschen versteckt zwischen der großen Neuhauser Straße, die in die Kaufinger Straße übergeht. Beide Boulevards sind bei Einheimischen und Touristen beliebt als Einkaufsparadies.

Zeise-Wallbrechers Klösterl-Apotheke ist eine von dreien in der Altstadt, alle 27 Tage ist er mit dem Nachtdienst an der Reihe. Gerne hätte er ein Schild mit Hinweis zu seiner Apotheke aufgestellt, die sich im Rückgebäude eines großen Geschäfts für Taucherzubehör befindet. Seit eineinhalb Jahren kämpft er dafür. Bislang vergeblich.

Erst legte sich der Immobilienbesitzer quer, der ein geplantes, schlichtes Schild nicht genehmigte. Er hatte Bedenken, dass das andere Geschäftsinhaber inspirieren könnte und befürchtete ein Schildermeer. Danach bat Zeise-Wallbrecher, so berichtet die tz, die Stadt um Hilfe. Eine Eisenstange, an der ein Schild befestigt ist, sollte das Problem elegant lösen. Wieder erfolgte ein Rückschlag: Das Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung lehnte das Ansinnen ab, weil sich das Schild – logischerweise – nicht am Haus der Apotheke, sondern auf dem Weg dorthin befinden sollte. Kunden, die die Apotheke schon gefunden haben, benötigen ja kein Schild mehr. Die Münchner Beamten schätzten das Schild jedenfalls als eine „Werbeanlage“ ein. Antrag abgelehnt.

In seiner Verzweiflung wandte sich der Apotheker schließlich an die Landesapothekerkammer, die bestätigen sollte, dass es gerade kein Werbeschild, sondern ein Hinweisschild sein solle. Die Geschäftsstelle bestätigte dies, aber der Münchner Amtsschimmel blieb stur. Oans, zwo, des bleibt fei so.

Viele verärgerte Kunden, die die Apotheke nachts nicht finden können, beschweren sich in der Klösterl-Apotheke. Oft raten sie, der Apotheker möge doch ein Schild aufstellen. Gute Idee, wenn es nur nicht so schwierig wäre.

Des Apothekers letzte Hoffnung ist nun der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel. Dort geschah laut tz ein kleines Wunder: Mitglieder aller Parteien erkannten sofort und ohne lange Diskussionen, dass das Problem schnell gelöst werden muss. Sie planen nun einen Ortstermin. Hoffentlich finden alle hin.

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