Stadler: Kurze Wege statt MVZ-Strukturen

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Berlin -

Der Hamburger Zyto-Skandal sorgt bei den rund 300 Zytostatika herstellenden Apotheken für Unruhe. Sie haben mit den Vorgängen in der Hansestadt nichts zu, schauen aber besorgt auf den möglichen Imageschaden: „Ich bin froh, dass ich mit den Dingen in Hamburg nichts zu tun habe“, so Apotheker Dr. Franz Stadler von der Sempt-Apotheke in Erding, der selbst Zytostatika herstellt und Initiator der Arbeitsgemeinschaft parenterale Zubereitungen (ARGE PareZu) ist. Seit langem plädiert Stadler für kurze Wege in der Zytoversorgung.

Gestern hat die Polizei in Hamburg auf einen Schlag 47 Durchsuchungsbeschlüsse an 36 verschiedenen Anschriften vollstreckt und nach Beweisen gesucht. Unter den durchsuchten Objekten waren Apotheken, Arztpraxen, ein Krankenhaus und Geschäftsräume von Zytoservice, aber auch private Wohnanschriften. 420 Polizisten und sechs Staatsanwälte waren im Einsatz, darunter Spezialkräfte der Beweisnahme und Festnahmeeinheit (BFE). „Unser Ziel ist ein großer Aufschlag, um alle Beweise sichern und dann umfassend auswerten zu können“, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es war die größte Razzia, die die Wirtschaftsstaatsanwaltschaft jemals angeordnet hat. Aus Hamburg wurden bundesweit Zytostatika geliefert.

„Wie kommt ein Onkologe aus München dazu, in Hamburg Zytostatika zu bestellen?“, fragt sich Stadler. Es gebe „keinen vernünftigen Grund, Zytostatika über 600 Kilometer zu liefern“. Parenterale Zubereitungen sollten wohnortnah wegen der Arzneimittelsicherheit hergestellt werden, fordert Stadler seit Jahren: „Jeder Landkreis sollte eine Zyto-Apotheke haben.“ Kurze Wege, kleine Transportmengen seien für die Zyto-Herstellung der richtige Ansatz. Zyto-MVZ haben laut Stadler nur eine Berechtigung, „wenn diese lokal arbeiten“.

Bereits im April 2018 hat die ARGE PareZu eine entsprechende Resolution mit dem Ziel, „klare Positionen für eine dezentrale, wohnortnahe Versorgung zu beziehen und öffentlich deren Umsetzung zu fordern“ verabschiedet. Denn nur diese Versorgungsart könne die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Anforderungen bezüglich Haltbarkeiten und mechanischen Belastungen der Wirkstoffe beim Transport einhalten und die deshalb unabdingbare adhoc-Herstellung gewährleisten, hieß es in einer Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft.

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