Hilfstaxe

Rückwirkende Rabatte: Retax-Welle überrollt Zyto-Apotheken

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Berlin -

Auf die Zyto-Apotheken rollt eine neue Retax-Welle zu. Seit Anfang Juli erhalten zahlreiche Apotheker rückwirkende Retaxationen in schmerzhafter vierstelliger Höhe. Der Grund: Ende Januar beschloss die Mitgliederversammlung des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) eine Anpassung der Hilfstaxe. Diese trat zum 1. März in Kraft. Für elf Wirkstoffe wurden damit rückwirkende Rabatte bis zu 25 Prozent vereinbart. Die werden jetzt von den Krankenkassen eingefordert.

„Meine Zyto-Kollegen und mich erreichen seit letzter Woche eine Retaxwelle unverschämten Ausmaßes. Vermutlich ist keinem die Größenordnung bewusst. Eine bereits abgeschlossene Abrechnung wieder zu öffnen und Kürzungen in solchen Höhen als zulässig zu erklären, das gibt es wohl in keiner Branche“, wendet sich ein betroffener Apotheker an APOTHEKE ADHOC. Über die Gesellschaft für Statistik im Gesundheitswesen (GFS) erhielt dieser Apotheker Retaxationen für die Barmer in Höhe von 8821,95 Euro und für die KKH in Höhe von 3330,74 Euro für die zwei Wirkstoffe Pemetrexed und Bortezomib. „Ich frage wirklich: wo soll das noch hinführen?“, so der Apotheker.

Und es könnte noch schlimmer kommen: denn laut Anpassung der Hilfstaxe zum 1. März müssen für elf Wirkstoffe rückwirkende Rabatte bis zu 25 Prozent wie für den Wirkstoff Treosulfan gewährt werden, die teilweise bis zum 15. April 2018 (etwa bei Trastuzumab) zurückgreifen. Vorher mussten Apotheken für Trastuzumab einen Rabatt von 1 Prozent gewähren. Dieser stieg laut Anpassung der Hilfstaxe auf 10 Prozent rückwirkend zum April 2018. Ab März 2020 gilt ein Rabatt von 20 Prozent. Die rückwirkende Erhöhung des Rabatts auf 10 Prozent kann nach Einschätzung von Branchenkennern Apotheken bis zu 30.000 Euro kosten.

Bereits im Februar hatte die Arbeitsgemeinschaft Parenterale Zubereitungen (Arge PareZu) auf diese Probleme hingewiesen und die Änderungen scharf kritisiert: „Viele Regelungen der neuen Hilfstaxe gefährden die wohnortnahe, kleinteilige Versorgung mit parenteralen Zubereitungen“, so Apotheker Dr. Franz Stadler schon vor Monaten: „Gerade kleinere Produzenten werden durch rückwirkende Rabattierungen, zu komplizierte Regelungen und zu niedrige Arbeitspreise in ihrer Existenz bedroht.“ Dabei seien es genau diese zubereitenden Apotheken, die die notwendige Adhoc-Versorgung mit kurzen Transportwegen und unter Einhaltung aller Haltbarkeitsvorgaben der Hersteller überhaupt ermöglichten. Insgesamt könne die faktische Fortschreibung eines ohnehin mangelhaften Schiedsspruches und dessen Anerkenntnis durch den DAV nur „als schwerer Fehler und vertane Chance bezeichnet werden“. „Dieses Zwischenergebnis muss als Kapitulation vor den Positionen des GKV-Spitzenverbandes interpretiert werden“, so die Arge PareZu und forderte deshalb eine Neuverhandlung des momentanen Ergebnisses und dringend eine Professionalisierung der Verhandlungsführung mit dem GKV-Spitzenverband.

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