Kasse nimmt Apotheke in die Pflicht

Beschaffungskosten: Apotheker muss für Patienten geradestehen APOTHEKE ADHOC, 12.08.2020 10:00 Uhr

Berlin - Wer ist eigentlich verantwortlich dafür, dass ein Patient sein Arzneimittel rechtzeitig erhält? Der Arzt verschreibt, der Apotheker gibt ab – doch wenn es zusätzlich kostet, weil der Patient die Beschaffung des Medikaments verschläft, muss der Apotheker für die Erstattung der Zusatzkosten bei der Krankenkasse einen Antrag stellen und hoffen, dass sie den Geldbeutel öffnet. Eigentlich ein Unding, meint Apotheker Gunnar Müller. Er musste sich von der AOK Nordwest sagen lassen, er möge doch künftig „von einem unwirtschaftlichen Beschaffungsweg“ absehen. Dabei hat er im Notdienst einer Familie geholfen, denen das Epilepsie-Medikament für ihr Kind ausgegangen war.

Um die Summe geht es gar nicht, die ist zu vernachlässigen. „35 Euro für eine schnelle Lieferung aus Herford an einem Sonntag sind eigentlich gar nicht mal so viel“, sagt der Inhaber der Sonnen-Apotheke in Detmold. Aber ihm geht es ums Prinzip, genauer gesagt darum, dass er als Apotheker die Suppe auslöffeln muss, die ihm andere eingebrockt haben. Was war passiert? Ein junges Elternpaar war in den Notdienst gekommen und benötigte dringend eine 100er-Packung Ergenyl Chrono 300 mg Retardtabletten für ihr 13-jähriges Kind. „Die Eltern hatten verpasst, das Medikament rechtzeitig zu bestellen und kamen deshalb am Wochenende in den ärztlichen Notdienst, der das entsprechend aufgeschrieben hat“, erzählt Müller.

Mit dem Rezept standen sie dann vor seiner Sonnen-Apotheke. Doch er hatte es nicht da und musste es zum Sonntag bei seinem Großhändler bestellen. Der lieferte auch pünktlich und stellte dafür 34,80 Euro in Rechnung. „Da das erhöhte Beschaffungskosten sind, musste ich die gesondert beantragen. Was für ein Schwachsinn! Ich folge ja nur einer Notwendigkeit, die sich aus einer solchen Situation ergibt.“ Schließlich handelte es sich um ein Arzneimittel, das zur Behandlung von Epilepsie indiziert ist. Es war also offensichtlich, dass man die Eltern nicht auf den nächsten Tag vertrösten sollte.

Die AOK Nordwest gab dem Antrag auf Abrechnung von Beschaffungskosten in Höhe von 34,80 Euro auch statt, betonte dabei jedoch: „In diesem Einzelfall akzeptieren wir wie angefallenen Beschaffungskosten“, heißt es in dem Schreiben. Die Kasse betont aber auch, dass es sich um eine Ausnahme handelt: „Zukünftig möchten wir Sie bitten, gerade bei einer Dauermedikation wie dieser und wenn grundsätzlich eine rechtzeitige Arzneimittelversorgung möglich gewesen wäre, von einem unwirtschaftlichen Beschaffungsweg abzusehen.“

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