Parenterale Versorgung

Müller: Apotheke als Durchlauferhitzer Lothar Klein, 09.06.2020 11:26 Uhr

Berlin - Normalerweise kommen die Patienten mit einem Rezept in die Apotheken und erhalten dann die verordneten Arzneimittel. Daher wunderte sich Apotheker Gunnar Müller von der Detmolder Sonnen-Apotheke wieder einmal, als er kürzlich einen Anruf vom Versorgungsdienstleister Travacare erhielt. Ein Mitarbeiter der Tochterfirma des Herstellers B.Braun Melsungen kündigte darin die Lieferung von parenteralen Nährlösungen an. Das erforderliche Rezept werde später nachgeliefert. „Erst die Ware, dann das Rezept? Die Apotheke als just-in-time-Durchlauferhitzer?“, fragt sich Müller. Aus Sicht von Travacare ist an dem Verfahren nichts auszusetzten, es diene dem Wohl des Patienten, heißt es von der Firma.

Aus Sicht von Apotheker Müller spielte sich der „Fall“ so ab: Ein langjähriger Stammpatient seiner Sonne-Apotheke wurde kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen, mit dem Bedarf für ambulante Pallativ-/Intensiv-Versorgung mit parenteraler Ernährung. Beim Entlassmanagement des Krankenhauses wird dem Patienten laut Müller ein Service angeboten, bei dem quasi niemand Nein sagen könne. „Dieser erhebt dabei nicht nur die Patientendaten, Diagnose und Therapie, sondern fragt auch den behandelnden ‚initiierenden, rezeptierenden‘ Arzt ab, den Intensiv-Pflegedienst, der mit der Betreuung vor Ort beauftragt werden soll, den Lieferanten für benötigte Medizintechnik – und die Apotheke. Und er organisiert außerdem den weiteren Versorger, in unserem Fall die B.Braun Travacare und damit den Lieferanten und Hersteller der meisten Produkte. Alles unter Zustimmung des Patienten beziehungsweise dessen Angehöriger. Bereits im Krankenhaus wird somit mehr oder minder festgelegt, von welchem Hersteller die Produkte kommen – im Fall meines Patienten: die B.Braun Melsungen AG.“

Ein Anruf vom B.Braun TravaCare-Mitarbeiter in der Apotheke genüge dann, und schon laufe „die Maschinerie an“: Innerhalb von nicht einmal 30 Minuten erhielt seine Apotheke per E-Mail sowohl ein detailliertes Patienten-Stammblatt mit sämtlichen Kontaktdaten aller Beteiligten, als auch einen Infusionsplan und einen sogenannten „Verordnungsvorschlag“ mit einer minutiösen Einzelauflistung von über 20 Medikamenten, Verband-, Hilfsmitteln und sonstigen Artikeln nach Art und Menge, mit PZN bis hin zu Hinweisen, welche Dinge vom Patienten bezahlt werden sollten. „Braucht eigentlich nur noch vom Arzt rezeptiert zu werden“, so Müller.

Die Zusendung der Waren in vier Kartons erfolgte am darauffolgenden Tag per Travacare Lieferservice und damit schneller, als der Arzt das Rezept ausstellen konnte. Müller: „Die Waren werden also nicht im klassischen Sinne erst vom Arzt verschrieben und danach von der Apotheke eingekauft und bestellt, sondern der Apotheke bereits im Rahmen der Übernahme der Versorgung von B.Braun Travacare zu einem Zeitpunkt zugesandt, bevor die Verschreibungen vom Arzt ausgestellt werden.“

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