Staatsanwaltschaft: Anonyme Anzeigen gegen Zytoservice

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Berlin - 420 Polizisten, sechs Staatsanwälte, 47 Durchsuchungsbefehle an 36 Adressen: Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat heute Morgen das ganz große Besteck herausgeholt. Die größte Razzia, die die dortige Wirtschaftsstaatsanwaltschaft je angeordnet hat, läuft noch. Die Beamten haben bereits hunderte Kisten an Beweismaterial aus Apotheken, Praxen und Büros geschleppt. Langsam kommen mehr Details zu den Ermittlungen ans Licht.

In der Aktion heute Morgen kulminierten zwei Jahre Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. 2017 hatte jemand die mutmaßlichen Machenschaften von Zytoservice verpfiffen: Bei der Hamburger Polizei waren zwei anonyme Strafanzeigen eingegangen, die die Ermittlungen ins Laufen brachten. Seit Anfang 2018 ermittelte dann auch die Staatsanwaltschaft. Die dementiert im gleichen Atemzug die Meldungen, dass es einen Zusammenhang zu den Recherchen des Investigativjournalisten Oliver Schröm von der ARD-Sendung Panorama gibt: „Unsere Ermittlungen haben mit Herrn Schröms Arbeit nichts zu tun“, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Im Mittelpunkt der Affäre steht Zytoservice, Platzhirsch der Branche. Deren mittlerweile in Alanta umbenannte Muttergesellschaft gehört seit 2014 die SKH Stadtteilklinik Hamburg. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten nun vor, die Klinik nur zu dem Zweck gekauft zu haben und zu betreiben, um darüber Medizinische Versorgungszentren (MVZ) im ganzen Bundesgebiet zu betreiben und Abrechnungsbetrug zu begehen. Die Klinik hatte 2017 offiziell nur einen Umsatz von einer Million Euro – Zytoservice gab damals schon an, dass es bei dem Geschäftsbereich nicht um die Umsätze gehe, sondern um das strategische Ziel, einen „umfassenden Dienstleister in der speziellen Gesundheitsversorgung“ aufzubauen.

Diese umfassenden Dienstleistungen sahen nach Ansicht der Ermittler aber anders aus als öffentlich dargestellt: So habe sich Zytoservice über die Konstruktion mit dem Krankenhaus die Kontrolle über das Verordnungsverhalten der in den MVZ beschäftigten Ärzte gesichert, um sich so ein Monopol aufzubauen. Zu Beginn der Ermittlungen Ende 2017 gehörten zur SKH Stadtteilklinik elf MVZ, darunter welche in München, Düsseldorf, Hannover und Ulm.

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