Korruptionsskandal

Zytoservice: Eine geschädigte Apothekerin berichtet Tobias Lau, 14.01.2020 10:03 Uhr

Berlin - Der Skandal um ZytoService hat kurz vor Weihnachten die Branche erschüttert. Der Konzern soll über eine verschachtelte Firmenkonstruktion die Trennung von Arzt und Apotheker unterlaufen haben: Durch den Kauf von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) habe Zytoservice Verordnungen in die eigenen Herstellerbetriebe geleitet, so der Vorwurf. Dutzende Millionen Euro Schaden sollen den Krankenkassen entstanden sein. Doch es gibt weitere mutmaßliche Opfer: Zahlreiche Zyto-Apotheken, denen durch die Errichtung von Zytoservice-MVZ der Absatz weggenommen wurde. APOTHEKE ADHOC hat eine von ihnen ausfindig gemacht und mit ihr gesprochen. Seit Zytoservice in ihren Ort kam, ist ihre Existenz gefährdet. Sie erhebt aber auch schwere Vorwürfe gegen die Aufsichtsbehörden.

Maria Peters* möchte anonym bleiben – nicht, weil sie Angst vor möglichen Folgen ihrer Aussage hätte, sondern weil sie mit ihrem Einzelschicksal nicht im Mittelpunkt stehen will, wie sie sagt. „Es geht hier nicht um eine einzelne Apotheke, sondern um die Fehler im System“, erklärt sie. Dabei hat Zytoservice ihr nach eigener Darstellung übel mitgespielt: Peters betreibt eine Apotheke in Süddeutschland, bis vor wenigen Jahren mit eigenem Zytolabor. „Ich habe die Apotheke vor 20 Jahren neu gegründet und von Anfang an gemeinsam mit dem Zytolabor aufgebaut“, erinnert sie sich. Das war damals auch die richtige Entscheidung: Die Apotheke zog in ein Ärztehaus, in dem sich auch eine onkologische Praxis befand.

Deren Ärzte zogen zwischenzeitlich aus, blieben aber im Ort und die Zusammenarbeit erhalten – bis Anfang 2018. Da eröffneten sie Peters in einem informellen Gespräch, dass sie ihre Praxis für die Arbeit als Angestellte eines neuen MVZ in der Stadt aufgeben würden. Für die Entscheidung der beiden Mediziner hatte sie sogar Verständnis. „Sie sagten, dass sie jetzt angestellt seien und sich dann um vieles nicht mehr kümmern müssten. Für die ganze Bürokratie, mögliche Rechtsstreitigkeiten und so weiter gebe es bei der Muttergesellschaft eigene Abteilungen. Das konnte ich ein Stück weit nachvollziehen, denn gegen die Macht der Kassen ist man als Einzelkämpfer oft auf verlorenem Posten.“

Außerdem war ihr das Ausmaß noch nicht ganz bewusst. Zu den Ärzten hatte sie ein gutes Verhältnis und so einigten sie sich auch darauf, ihr zumindest eine Übergangszeit zu ermöglichen, in der sie ihre Bestände abbauen kann. „Natürlich war das ein Schock für mich, aber ich hatte die Hoffnung, dass trotzdem noch eine Zusammenarbeit möglich ist, beispielsweise dass ich zumindest die Adhoc-Versorgung übernehme.“ Doch auch diese Hoffnung zerstob schnell, nämlich in dem Moment, in dem „ein paar Herrschaften von Zytoservice“ bei ihr auf der Matte standen. Sie informierten sie auch offiziell darüber, dass Alanta – die Holding, die das Bindeglied zwischen Zytoservice und den MVZ darstellt – die Versorgung übernimmt. Die Frist zum Abbau der Bestände wurde ihr gewährt, eine weitere Zusammenarbeit werde es aber nicht geben.

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