Inhaberin: „Man muss da Position beziehen“

Rassismus-Debatte: Mohren-Apotheke benennt sich um APOTHEKE ADHOC, 28.06.2020 13:51 Uhr

Berlin - Die seit vergangenem Jahr immer wieder aufkommenden Diskussionen um mutmaßlich rassistische Geschäftsnamen – konkret: Mohren-Apotheken – haben neuen Schwung bekommen. Auch Teresa Marosi verteidigte bisher den Namen ihrer Wiener Mohren-Apotheke unter Verweis auf den historischen Kontext des Begriffs. Dadurch wurde sie zur Zielscheibe, nicht nur aus der Politik wurde sie kritisiert, es wurde sogar eine Petition gegen ihre Apotheke gestartet. Jetzt hat sie eingelenkt. Marosi Blindheit für Rassismus und Diskriminierung zu unterstellen, wäre zynisch: Ihre eigene Familie musste ihres jüdischen Glaubens wegen vor den Nazis fliehen, die Apotheke wurde im Dritten Reich „arisiert“.

Einen neuen Namen für die Apotheke hat sie noch nicht gefunden, aber dass es mit dem jetzigen nicht weitergeht, ist beschlossene Sache: „Meiner Meinung nach müssen wir respektieren, dass solche Begriffe verletzende Konnotationen auslösen, auch wenn wir persönlich angesichts der Geschichte des Begriffs anderer Auffassung sind“, sagt sie. „Man muss da Position beziehen und ich glaube, dass wir uns nicht mehr daran beteiligen sollten, solche Namen zu verwenden.“ Diese Gedanken kamen Marosi nicht über Nacht, sie hat eine lange Kontroverse um den Namen ihres Betriebs hinter sich.

Noch viel länger ist die Geschichte des Namens: Der 1350 gegründete Betrieb gehört zu den drei ältesten Apotheken der Stadt Wien. Ungefähr ab 1600 ist der Name „Zum Schwarzen Äthiopier“ belegt, im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde „Zum Schwarzen Mohren“ daraus und im 18. Jahrhundert schließlich Mohren-Apotheke. So viel zur Genese des Namens, die seiner Bedeutung hat in den vergangenen Jahren noch einmal eine ganz andere Dynamik entfaltet. Relativiert historischer Kontext heutige Diskriminierungserfahrungen? Das ist die dahinterliegende Frage. Wie die Inhaber deutscher Mohren-Apotheken verteidigte auch Marosi bisher den Namen ihres Betriebs.

Gleich auf der Startseite der Apotheken-Homepage klärt die Inhaberin die Kunden deshalb über die Herkunft des Begriffs auf. „In Europa zur Zeit des Mittelalters war die Medizin noch völlig unentwickelt. Wirksame Heilmittel kamen aus Afrika und dem Orient“, heißt es da. Zu dieser Zeit hätten sich viele Apotheken Namen gegeben, die den Begriff Mohr enthalten. „Dies galt als Wertschätzung für die Heilkundigen und ihre Medizin. Wir wollen die Erinnerung an diese Heiler und ihre Heilkunst am Leben erhalten und damit auch in Erinnerung rufen, dass Heilkunst nicht nur in europäischen Klöstern zu finden war.“

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Risikogruppen schützen

Hausärzte empfehlen keine Tests in Apotheken»

Dank und Mahnung nach Corona-Infektion

Spahn meldet sich aus der Quarantäne zu Wort»

Entwicklungsstaatssekretär Martin Jäger

Nach Treffen mit Spahn: Staatssekretär positiv auf Corona getestet»
Markt

Pflege und Schutz vor Infektionen

Gepan: Mannose-Gel für den Intimbereich»

Aromatherapie aus dem Allgäu

Echt Dufte: Naturkissen aus Handarbeit»

Nach Zava, Fernarzt und GoSpring

Tele-Ärzte: Noventi schließt Kry an»
Politik

Freie Apothekerschaft

TSE: 626 Fußballfelder voll Kassenbons – zusätzlich»

Apothekenstärkungsgesetz

VOASG: Temperaturkontrolle für Holland-Versender»

Griff in die Rücklagen

AOK-Chef wehrt sich gegen Spahn-Gesetz»
Internationales

Wegen drohender Opioid-Strafen

Walmart verklagt US-Regierung»

Opioid-Epidemie in den USA

Oxycontin: Purdue schließt Milliarden-Vergleich»

Pharmakonzerne

Takeda baut in Österreich»
Pharmazie

Schutzeffekt in Phase-III

Grippeimpfstoff: Tabakpflanze statt Hühnerei»

AMK-Meldung

Neurax: 160 Packungen Tadalafil verloren»

Nicht nur ACE-2

Neuropilin: Zweiter Eintritts-Rezeptor für Sars-CoV-2»
Panorama

Brandsätze gegen Fassade geworfen

Anschlag auf RKI – Staatsschutz ermittelt»

Kunstautomat an der Apotheke

Mini-Gemälde statt Zigarette»

Die Pandemie kreativ nutzen

Ernährungsberaterin, Trainerin und jetzt auch noch Podcast!»
Apothekenpraxis

ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Spahns Unterschriftenmappe»

adhoc24

Temperaturkontrollen im Versand / Corona-Impfstoff / Schnelltests in Apotheken»

Versandapotheken

DocMorris wirbt für Online-Ärzte»
PTA Live

Lokalanästhetika mit Klümpchenbildung

Rezepturtipp: Polidocanol»

Schutzmaßnahmen und Zukunftssorgen

Apothekenteams fürchten langen Corona-Winter»

Mikronährstoff-Stiefkinder

Wofür ist eigentlich Mangan?»
Erkältungs-Tipps

Erkältung, Allergie, Medikamente

Schnupfen ist nicht gleich Schnupfen»

Wenn die Temperatur steigt

Hausmittel bei Fieber: Wann und wie?»

Erkältung in Corona-Zeiten

No Go: Husten als Stigma»
Magen-Darm & Co.

Fremdkörpergefühl im Hals

Globussyndrom: Auch an den Magen denken»

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»

Vitamin-B12-Mangel

Fehlender Intrinsic Factor»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»

Geschlechtsbestimmung

Mädchen oder Junge? Der Genetik auf der Spur»

Kaiserschnitt ist kein Muss

HIV und Schwangerschaft»
Medizinisches Cannabis

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»

Blüte, Extrakt, Kapsel

Cannabis: Schritt für Schritt zur Rezeptur»

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»
HAUTsache gesund und schön

Verwöhnprogramm für die Haut

Pflege hoch zwei: Gesichtsmaske und Peeling»

Viel hilft nicht immer viel

Überpflegung der Haut»

Aufbau, Alterung und Pflege

Unterschiede von Frauen- und Männerhaut»