Diskriminierungsvorwürfe

Franken streiten über Mohren-Apotheken APOTHEKE ADHOC, 26.02.2018 14:55 Uhr

Berlin - Nachdem die Kommunale Ausländervertretung (KAV) der Stadt Frankfurt am Main in einem Antrag die beiden Namen Mohren-Apotheke und Zeil-Apotheke zum Mohren als rassistisch bezeichnet hatte, entbrannte in ganz Deutschland eine Rassismus-Debatte. Auch Wochen später kommt sie nicht zu Ruhe und spaltet sowohl Vertreter der Migranten als auch Bürger. 

„Ich glaube, wir führen eine Scheindiskussion“, sagte Isil Yönter vom Bad Vilbeler Ausländerbeirat der Frankfurter Neuen Presse (FNP). Sie könne einerseits die Empfindlichkeit verstehen, denn theoretisch habe man den Anspruch, in Sprache weder Diskriminierung noch Rassismus zu transportieren. Dies am Namen einer 400 Jahre alten Apotheke festzumachen, sieht sie skeptisch. „Wir müssten uns vielmehr darüber empören, was jetzt verhaltensbedingt an Rassismus im Alltag geschieht.“

In der AfD diskriminiere eine ganze Gruppe von Menschen Türken durch Sprache, kritisierte Yönter. Etwa Sachsen-Anhalts AfD-Chef André Poggenburg, der Türken als „Kameltreiber“ und „Kümmelhändler“ bezeichnet hatte. „Das ist Volksverhetzung. Dagegen müssen wir uns wehren statt gegen den Namen einer Apotheke.“ Fühlten sich Schwarze von der Bezeichnung Mohren-Apotheke betroffen, müsse dies dennoch Ernst genommen werden. Vor allem die Logos, die beispielsweise in der Mohren-Apotheke in Friedberg vielfach zu sehen sind, findet Yönter schwierig: „Da würde ich von der Apothekerin erwarten, dass sie es versteht. Ein Mohr auf der Fußmatte – das ist eine Symbolik.“

Auch Servet Yildirim vom Ausländerbeirat Butzbach hat durchaus Verständnis für die Antragstellerin von der KAV Frankfurt. „Vermutlich erfährt sie in ihrem Umfeld tagtäglich Rassismus, sonst würde sie in dieser Sache nicht eine solche Verbindung spüren“, sagte sie FNP. „Doch sehe ich das Problem nicht in der Namensgebung einer Apotheke, der eigentliche Fokus sollte woanders liegen.“ Dies sieht auch Jetty Sabandar so, Ausländerbeiratsmitglied aus Karben: Bei allem Verständnis hätten Ausländervertretungen in Deutschland Wichtigeres zu tun.

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