Umstrittene Solidaritätsaktion

AfD-„Negerküsse“ für Mohren-Apotheker Torsten Bless, 08.03.2018 15:25 Uhr

Berlin - Die Diskussion um eine mögliche Umbenennung von „Mohren-Apotheken“ hat auch Nürnberg erreicht. Ein AfD-Landtagskandidat konterte die Rassismus-Vorwürfe mit einer „Mohrenkopf“-Aktion gegen die „Meinungsdiktatur“. Der Apotheker geht auf Distanz.

Matthias Vogler kandidiert im Wahlkreis Nürnberg-West. Der Betriebswirt stammt aus Mecklenburg, hat in Amberg studiert und lebt seit 2012 in Nürnberg. Er arbeitet seit Oktober als persönlicher Referent des Bundestagsabgeordneten und bayerischen AfD-Vorsitzenden Martin Sichert.

Als er die Berichte über den Streit um die Frankfurter Mohren-Apotheken gelesen habe, habe Vogler ein Zeichen setzen wollen, „gegen die Meinungsdiktatur und die Diskriminierung und Ausgrenzung unserer deutschen Sprache“. Schließlich gebe es auch in Nürnberg fünf Apotheken, die das Wort „Mohr“ im Namen tragen. „Mohr und Neger an sich sind keine diskriminierenden Worte“, findet Vogler. Es komme darauf an, in welchem Kontext sie verwendet werden. „So wird ‚Neger‘ erst in Kombination mit ‚Bimbo‘ oder ‚Sau‘ zum Schimpfwort“, so Vogler.

Gemeinsam mit einem Parteifreund stellte er sich für über zwei Stunden auf den Lorenzer Platz in Sichtweite der Mohren-Apotheke zu St. Lorenz. Aus Plastikeimern verteilte er so deklarierte „Negerküsse“ und „Mohrenköpfe“ an vorbeikommende Passanten. „Das kam sehr gut an“, meint Vogler. „Auch ein paar 'Neger' ließen es sich schmecken und konnten nichts Anstößiges an meiner Aktion finden. Nur vier Gutmenschen übten Kritik.“

Inhaber Wilhelm Bouhon freute sich zunächst über die Solidaritätsbekundung und ließ sich mit Vogler und Süßspeise ablichten. „Später habe ich noch einen Eimer Mohrenköpfe bei ihm in der Apotheke zum Weiterverteilen abgegeben“, sagt Vogler.

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