Preisanker war gestern – die neuen Regeln

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Berlin - Als der Rahmenvertrag geschrieben wurde, hatten die Altvorderen keine Ahnung davon, dass Lieferengpässe im Jahr 2020 den Apothekenalltag in Deutschland (mit)bestimmen würden. Um die Versorgung zu sichern, soll nun der Preisanker gelichtet werden. Doch die Kassen warnen vor Anarchie im Handverkauf und bringen neue Regelungen wie den Preisschäkel ins Spiel.

Lieferengpässe sind längst kein Phänomen mehr, das sich nur in den hintersten Winkeln der Apotheken abspielt. So ziemlich jeder Apothekenkunde dürfte schon damit konfrontiert worden sein, dass sein Präparat oder gar Wirkstoff nicht vorrätig war und nicht beschafft werden konnte. Die Medien berichten fast täglich, die Politik ist unter Druck.

Wenig hilfreich ist es da, wenn rigide Abgabebestimmungen in der Apotheke die Lage unnötig verkomplizieren. Immerhin: Im Herbst konnten sich DAV und GKV-Spitzenverband darauf verständigen, dass bei Überschreiten des Preisankers im „dringenden Fall“ kein Rückruf in der Praxis mehr erforderlich ist. Nur die Ersatzkassen wussten zunächst nichts damit anzufangen.

Kurz darauf die nächste gute Nachricht: Apotheker sollten nicht lieferbare Rabattarzneimittel gegen ein wirkstoffgleiches Arzneimittel austauschen können – nach einer Wartezeit von 24 Stunden. Doch nicht jede Krankheit hält sich an solche bürokratischen Vorgaben, Keime beispielsweise vermehren sich in dieser Zeit gerne einmal exponentiell um den Faktor 1021. Das musste auch die Politik einsehen, und so wurde der Änderungsantrag zum Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz (GKV-FKG) in dieser Woche erneut geändert: Nicht lieferbare Präparate sollen nach „angemessenere Frist“ ersetzt werden dürfen.

Den Kassen gehen, wie nicht anders zu erwarten, solche Freiheiten viel zu weit. Eine Abgabe ohne Viererregel, Rangfolge und Preisanker – ungeheuerlich! Am späten Freitagabend einigte sich eine geheime Kommission beim GKV-Spitzenverband auf ein Positionspapier, das in der kommenden Woche in den Gesundheitsausschuss eingebracht werden soll und das APOTHEKE ADHOC ultraexklusiv vorliegt.

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