Sprechstundenbedarf

Masken für Praxen: 2,5 Prozent Aufschlag für Apotheke Alexander Müller, 14.04.2020 10:40 Uhr

Berlin - Schutzausrüstung ist auch in Arztpraxen derzeit besonders gefragt. Während der Corona-Krise können Masken, Kittel und Schutzbrillen als Sprechstundenbedarf abgerechnet werden. In Baden-Württemberg dürfen die Apotheken in diesem Fall lediglich 2,5 Prozent als Aufschlag vereinnahmen, wie ein Inhaber berichtet. Er fühlt sich den Praxen trotzdem verpflichtet.

Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) können Praxen seit dem 26. März und vorläufig bis zum 10. Juni ausnahmsweise „bestimmte Schutzausrüstung für die Diagnostik und Behandlung von Covid19-Verdachtsfällen als Sprechstundenbedarf abrechnen“. Das gilt für OP-Masken (Mund-Nasen-Schutz), partikelfiltrierende Atemschutzmasken (FFP2, FFP3), langärmelige, flüssigkeitsabweichende Schutzkittel mit Rückenschluss und Abschlussbündchen an den Armen sowie Schutzbrillen.

Grundsätzlich haben die Praxen dabei zwei Möglichkeiten: Bei der Direktabrechnung wird ganz normal das Sprechstundenbedarfsrezept (Muster 16) ausgefüllt und unterschrieben, der Lieferant kümmert sich dann um die Abrechnung. Bei der Kostenerstattung wird auf dem Rezept als Kostenträger „GKV BW“ eingetragen und zusammen mit der bezahlten Originalrechnung mit Zahlungsnachweis bei der AOK Baden-Württemberg eingereicht. Die Kasse übernimmt auch in diesem Fall die Abrechnung für alle Kassen im Bundesland. Diese Methode empfiehlt sich laut KV, wenn der Lieferant – etwa eine Einkaufsgemeinschaft – nicht direkt mit der AOK abrechnen kann.

„Restbestände dieser Schutzmittel, die vor dem 26. März beschafft wurden, können noch, ausnahmsweise und nur bei wirtschaftlichem Bezug patientenbezogen als Materialkosten abgerechnet werden“, heißt es von der KVBW. Der Fall muss mit der entsprechenden Pseudo-GOP (Gebührenordnungsposition) gekennzeichnet sein. Schutzbrillen sind hier ausgeschlossen. Sonstige Materialien sind laut KV mit den Praxiskosten abgegolten. Es besteht demnach auch keine Möglichkeit, Einmalhandschuhe, Hände- und Flächendesinfektionsmittel über Sprechstundenbedarf oder Materialkosten abzurechnen.

Versorgt eine Apotheke die Praxis mit Schutzausrüstung, darf sie einem Stuttgarter Apotheker zufolge nur einen Aufschlag von 2,5 Prozent erheben. Eine Bestätigung des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg (LAV) steht noch aus. Gemessen an dem Aufwand, den alle Beteiligten gerade mit der Beschaffung haben und angesichts der Preisentwicklung, hält der Inhaber die Vergütung seitens der Kassen für nicht besonders angemessen. Aber auch wenn er die Masken & Co. zu deutlich höheren Preisen verkaufen könnte, versorgt er seine umliegenden Ärzte. „Man fühlt sich den Praxen schon verpflichtet“, sagt er. Ob das alle Kollegen so sehen, könne er natürlich nicht sagen.

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